Thüringen: Konsequenter Integraler Taktfahrplan statt ICE-Zentralismus

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„Das in dieser Woche vorgestellte neue Fernverkehrskonzept der Deutschen Bahn ist ein mutiger Schritt hin zu mehr hochwertigem Verkehr in der Fläche und damit eine große Chance für Thüringen.“ Das sagt Bernd Schlosser, Vorsitzender des Landesverbandes Thüringen im Fahrgastverband Pro Bahn.
Am Mittwoch hatte die Deutsche Bahn ihre Pläne vorgestellt, denen zufolge zukünftig zwei neue IC-Linien im Zwei-Stunden-Takt den Freistaat in Nord-Süd- und in Ost-West-Richtung durchqueren sollen. Anders als bei der ICE-Neubaustrecke, die Thüringen mit nur einem Halt durchquert und so nur wenigen Thüringern nutzt, sind bei den neuen IC-Linien häufigere Halte vorgesehen.
„So profitieren sehr viel mehr unserer Bürger ganz direkt. Zum einen, weil der Zugang zum Fernverkehr wieder in ihre Nähe rückt, zum anderen, weil wichtige innerthüringische Verbindungen in höherer Qualität als heute angeboten werden“, so Schlosser. So entsteht zum Beispiel mit der geplanten IC-Linie von Düsseldorf nach Chemnitz erstmals ein vertaktetes und umsteigefreies Schienenverkehrsangebot entlang der sogenannten Thüringer Städtekette von Eisenach über Gotha, Erfurt, Weimar und Jena nach Gera, das für viele Thüringer Pendler attraktiv ist und zu einem größeren Sitzplatzangebot und mehr Komfort auf der stark nachgefragten Strecke führt. Die Forderung, ein solches Angebot einzuführen, verfolgt der Fahrgastvorband schon lange. Für Ostthüringen, insbesondere Jena und Saalfeld, lindert die IC-Linie Leipzig – Nürnberg – Karlsruhe die negativen Auswirkungen der ICE-Verlagerung nach Erfurt. „Die Landesregierung muss das neue Fernverkehrskonzept nun durch flankierende Maßnahmen nach Kräften unterstützen und dafür sorgen, dass es nicht erst 2030 startet. Dies gilt vor allem für die Saalbahn, wo der ICE bereits 2018 entfällt“, so Schlosser weiter.
Mit der neuen Strategie reagiert die DB auf stetig sinkende Kundenzahlen im Fernverkehr und vollzieht eine Kehrtwende von der einseitigen Fixierung auf wenige teure ICE-Verbindungen zwischen Ballungszentren zu mehr umsteigefreien und kostengünstigeren Fernverbindungen auch in der Region.
„Diese grundlegende Änderung muss sich nun auch im Thüringer Regionalverkehr niederschlagen“, so Bernd Schlosser. „Der Entwurf des Jahresfahrplans 2016 war enttäuschend. Die jahrelangen Versprechen der DB und der Landesregierungen zu angeblichen Verbesserungen durch den ICE-Knoten für alle Thüringer Regionen haben sich als unhaltbares Versprechen herausgestellt“, so Bernd Schlosser.
Wegen der starken Streuung der Haltezeiten der ICE in Erfurt von Minute 20 bis 40 ist es unmöglich, für alle Landesteile gute oder überhaupt Anschlüsse herzustellen. Darüber hinaus verursacht sie Taktstörungen auf Hauptstrecken und Fehlanschlüsse in anderen Regionen. Über all dem stehen die finanziellen Probleme, die drohen, weil das Land nun nicht nur auf den ehemaligen ICE-Strecken in Mittel- und Ostthüringen auf eigene Kosten zusätzlichen Nahverkehr bestellen muss, sondern auch, weil auf den Zulaufstrecken nach Erfurt ein absurdes Überangebot finanziert werden muss.
„Damit schadet der ICE-Knoten dem Regionalverkehr, statt ihm zu nützen. Was wir statt eines solchen, dem Flugverkehr entlehnten Hub&Spoke-Konzeptes wirklich brauchen, ist ein konsequent gedachter Integraler Taktfahrplan für ganz Thüringen, der sich an der polyzentralen Struktur unseres Landes orientiert und die neuen Fernverkehrsangebote mit einbezieht“, so Schlosser. „Nur so profitieren alle Thüringer Landesteile und bleibt der Nahverkehr bezahlbar (Pressemeldung PRO BAHN Landesverband Thüringen , 23.03.15).

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