EVG: Für Erhalt der Werke Zwickau und Eberswalde



 Klaus-Dieter Hommel und Jens Schwarz.

Die EVG setzt sich für den Erhalt der Werke Zwickau und Eberswalde ein. Gemeinsam mit den Betriebsräten und dem Gesamtbetriebsrat werden wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Standorte zu retten. Wir fordern auch ein Gesamtkonzept für die Werke. Immerhin: Im brandenburgischen Eberswalde signalisiert die Politik ihre Unterstützung für die Beschäftigten.
„135 Jahre Eberwalde – Werk mit Zukunft“. Bis zum Mittwochabend hing dieses große Plakat noch an den backsteinernen Werksgebäuden. Dann holten es die Kollegen von der Spätschicht herunter. Den Hohn musste man sich nicht mehr antun. Am Mittag hatte die Geschäftsführung der DB Fahrzeuginstandhaltung mitgeteilt, dass das Werk geschlossen werden soll.
„Nach dem Tag gestern ist mein Kopf erstmal leer“, sagt die Kollegin am Empfang. Aus den Medien musste sie vom geplanten Ende erfahren. „Mein Mann rief an und sagte: hast du schon Radio gehört? Sie sagen gerade durch, dass euer Werk geschlossen wird.“ Dass etwas im Busch ist, war den Kolleginnen und Kollegen seit langem klar. Mit einem Stellenabbau haben viele gerechnet, mit einer Schließung nicht. „Schöne Scheiße“, bringt ein jüngerer Kollege in der Werkstatt die Stimmung auf den Punkt. „Dass sie zumachen wollen, ist für mich unfassbar! Ich dachte, ich kann hier alt werden.“ Ein anderer Kollege blickt auf 42 Jahre Arbeit im Werk zurück. „Die Knochen habe ich mir hier kaputt gemacht, bestimmt nicht im Garten.“ Er hofft auf sozialverträgliche Regelungen, „damit ich wenigstens mein Häuschen noch abbezahlen kann.“
511 Kolleginnen und Kollegen sind derzeit in Eberswalde beschäftigt. Damit ist die Deutsche Bahn der größte industrielle Arbeitgeber in der brandenburgischen Stadt. Deswegen ist auch die Politik alarmiert. Die Minister Jörg Vogelsänger (Verkehr/SPD) und Ralf Christoffers (Wirtschaft/Die Linke) sind am Donnerstag spontan nach Eberswalde gekommen. „Eigentum verpflichtet“, sagt Vogelsänger im Gespräch mit Betriebsräten und der EVG. „Wir erwarten ein Konzept der Bahn.“ Christoffers kündigt kritische Gespräche mit der Deutschen Bahn und die Bildung einer Arbeitsgruppe an. „Wir wollen den Standort erhalten.“ Auch Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP) kritisiert das „unwürdige Schauspiel“, das die Deutsche Bahn bietet. „Wir mussten von der Entscheidung aus den Medien erfahren.“ Sein Angebot eines „Schulterschlusses“ zwischen kommunaler Politik, Beschäftigten und Gewerkschaft wird von den Kolleginnen und Kollegen positiv aufgenommen.
EVG und Gesamtbetriebsrat kritisieren, dass längst nicht alle Möglichkeiten zum Erhalt der Standorte Zwickau und Eberswalde ausgeschöpft worden sind. „Die Bahn reagiert reflexhaft auf den Leistungsrückgang“, sagt der stellvertretende EVG-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel. Jens Schwarz, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates, kritisiert insbesondere, dass gleichzeitig Fertigungsstunden ins polnische Werk Rybnik vergeben werden. „Wir sehen das als klaren Fall von Lohndumping, denn Polen hat einen Lohnkostenvorteil von 30 Prozent.“ Hommel und Schwarz verlangen ein umfassendes Gesamtkonzept für die Werke. Jetzt müsse überlegt werden, wie die Auslastung der Werke insgesamt erhöht werden kann – denn Standorte dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Beide stellen aber auch klar, dass auch die Politik in der Pflicht ist. Denn sie hat die Rahmen-bedingungen für den Schienenverkehr so schlecht ausgestaltet, dass mit Schienengüterverkehr kein Geld zu verdienen ist. „Wir haben hier auch ein Problem der Verkehrspolitik“, so Hommel (Pressemeldung EVG, 10.10.14).

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von Fahrgastinitiative BB Veröffentlicht in Bahn Aktuell

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