Mecklenburg-Vorpommern: Weniger Gäste in Plau wegen schlechter ÖPNV-Anbindung

„Wegen der schlechten ÖPNV-Anbindung kommen weniger Gäste nach Plau am See“, sagt Birgit Falk, Falk Seehotels GmbH, „wir können aber gut und gern noch mehr Übernachtungen und Tagungen verkraften. Gerade im Tagestourismus aus Hamburg und Berlin liege noch viel Potenzial.“ Michael Wufka von der Touristinfo Plau am See schätzt, dass die Anreise zu 15 Prozent der 450.000 Übernachtungen pro Jahr mit Öffentlichen erfolgt, wenn Plau wieder mit der Bahn erreichbar ist.
Nicht nur die überregionale Anbindung, sondern auch der lokale Nahverkehr muss attraktiver werden. So beklagt Annette Schäfer, Kaufmännische Direktorin MediClin Plau am See, dass Angestellte der Klinik, Patienten und ihre Angehörigen die Klinik mit den Öffentlichen nicht erreichen. Deshalb muss MediClin eigene Transporte anbieten. Und Rainer Nissler vom Plauer Seniorenbeirat wünscht sich gerade für ältere Menschen eine bessere Anbindung, damit Mobilität für diese Zielgruppe gesichert ist. Ganz deutlich wird an diesem Abend, zu dem die Bürgerinitiative ProSchiene Hagenow – Neustrelitz (BI) eingeladen hat: Plau am See leidet unter der schlechten ÖPNV-Anbindung und kann seine Potenziale nicht entwickeln. Dass sich diese Situation zugespitzt hat, zeigt das überwältigende Interesse von 130 Teilnehmern, die ins Kino nach Plau am See kamen.
Sie hören von Norbert Reier, Bürgermeister Plau am See, dass die Lage der Stadt an der Kreis- und Landesgrenze problematisch für eine gute Nahverkehrsanbindung ist. Wer von Süden nach Plau will, kann mit der Bahn nur bis Meyenburg fahren; ein Anschluss zum Bus 735 ist oft nicht möglich. Wer von Osten mit der Bahn kommt, muss etwa anderthalb Stunden in Karow warten. Weil Anschlüsse schlecht geplant sind, verbringen Reisende viel Zeit mit Warten. Reier hat zwar das Problem erkannt, aber bekennt sich nicht zu konkreten Maßnahmen. Günter Matschoß, Stellvertreter des Landrats LUP, stimmt dem Bürgermeister zu, sieht aber zur Umsetzung des jüngst beschlossenen Regionalen Nahverkehrsplanes keinen finanziellen Spielraum, weil 80 Prozent der Mittel für Schulbusse ausgegeben werden. Joachim Stein, Bürgermeister Malchow, will sich damit nicht abfinden. Der Kreistag Mecklenburgische Seenplatte hat beschlossen, gegen das Land Mecklenburg-Vorpommern zu klagen, um die durch Karow führende Südbahn zu retten. Die Klage wird gegenwärtig vorbereitet. Der Kreis Ludwigslust-Parchim hat sich dieser Klage angeschlossen und prüft die Möglichkeit, sich an den Betriebskosten für die Bahn zu beteiligen. Stein hebt abschließend die enorme wirtschaftliche Bedeutung des Gleisanschlusses für das Logistikzentrum von Edeka in Malchow hervor. Die Südbahn ist auch für den Tourismus in beiden Landkreisen wichtig, denn Tourismus endet nicht an der Grenze.
Clemens Russell, Sprecher der BI, sieht in den wirtschaftlichen und touristischen Potentialen der Region die besten Argumente, um die Südbahn zu retten. Dass eine gute Bahnanbindung in ländlichen Räumen lebenswichtig ist, erklärt Nora Görken, Bürgermeisterin von Kyritz. Dort haben sich das Land Brandenburg, zwei Kreise und die Kommunen auf das Prignitz-Konzept geeinigt und die Mobilität der Prignitz für zehn Jahre gesichert. Dafür zahlen die Landkreise 300.000 und die Kommunen 50.000 EUR jährlich.
Dass eine Abstimmung zwischen Bus und Bahn auch an der Südbahn möglich ist, zeigt Tim Zosel von der BI. Wenn die Busfahrpläne zeitlich und örtlich an den Taktzeiten der Bahn ausgerichtet werden, sind nicht nur Lübz und Parchim, sondern auch Goldberg und Plau in unter drei Stunden von Berlin und Hamburg erreichbar. Wichtig ist, dass die Busgesellschaften PVM, Rebus und VLP endlich Priorität auf das Erreichen von Bahnanschlüssen legen.
Der konstruktive Abend in Plau am See zeigt, dass die Probleme im Bewusstsein der Bürger angekommen sind und dass es sich angesichts der Konzeptlosigkeit im Nahverkehr lohnt, für eine bessere Verkehrspolitik zu engagieren, damit die Region nicht den Anschluss verpasst. Nur eine grenzüberschreitende Kooperation sichert die gemeinsame Mobilität. Es ist allerhöchste Eisenbahn (Pressemeldung Bürgerinitiative ProSchiene Hagenow – Neustrelitz, www.proschiene-hagenow-neustrelitz.de, 20.05.14).

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von Fahrgastinitiative BB Veröffentlicht in Bahn Aktuell

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