Freistaat und die Verkehrsverbünde für das Bahnsterben verantwortlich

Der ökologische VCD Landesverband Elbe-Saale als Sachsens größte unabhängige Interessenvertretung von Fahrgästen schlägt bei der aktuellen Entwicklung Alarm: „Insbesondere mobilitätseingeschränkte Personen, Familien mit Kinderwagen und Radfahrer bleiben im mittelsächsischen Nahverkehr immer mehr auf der Strecke“, so Michael Schmiedel vom VCD-Landesverband und meint damit die Abbestellung der Regionalbahn Richtung Meißen (RB 110) ab Dezember 2015. Der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) hat Ende November für sein Verbundgebiet beschlossen, die Bahnen künftig durch Busse ersetzen zu lassen. Begründet wurde dies durch zu wenige Fahrgäste. Der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) hat seine offizielle Entscheidung zur Zukunft der Bahn ins Frühjahr verschoben, er kann die von Leipzig kommende RB 110 künftig entweder in Döbeln oder Nossen enden lassen.
Für den VCD-Sprecher scheint das Bahnsterben vom Freistaat und seinen Verkehrsverbünden aber gewollt: „Das Fahrplanangebot der Bahn hat sich in den letzten Jahren immer mehr verschlechtert, ehemals stattliche Bahnhofsgebäude zerfallen mehr und mehr und die Fahrgäste der Regionalbahn müssen sich durch ein regelrechtes Tarifwirrwarr kämpfen. Anstatt sich Gedanken zu einer schnelleren und für Fahrgäste attraktiveren Bahn zu machen, erleben wir, dass nichts unversucht gelassen wird, um potentielle Fahrgäste von der Bahn abzuziehen“. So habe der VVO mit der Autobahnbuslinie 424 zwischen Nossen und Dresden ein Parallelangebot geschaffen, welches 19 Minuten Fahrtzeit einspart – natürlich nur, wenn kein Stau ist.
Mit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember startet der Regiobus Mittelsachsen ein ganz ähnliches Angebot, die Buslinie 756: Von Leipzig kommend fährt sie über die Autobahn nach Nossen und dann als Regionalbus mit 15 Haltestellen weiter nach Freiberg. „Wir befürchten, dass diese Buslinie zusätzlich Fahrgäste von der Bahn abziehen soll und dass damit die Abbestellung der RB 110 bis Döbeln begründet werden wird“, so der VCD-Sprecher. „Hinzukommt, dass mit dem Bus wahrscheinlich ebenso die Bahnverbindung zwischen Leipzig und Freiberg mit dem Umstieg in Chemnitz geschwächt wird.“ Wer Rollstuhl, Kinderwagen oder Fahrrad dabei hat, der ist im Nachteil, da der Platz sehr begrenzt ist. Auch der Forderung des VCD nach Beseitigung des Tarifchaos kommen die Verbünde nicht nach – rund um Döbeln sind bereits jetzt vier verschiedene Tarife möglich, nächste Woche kommt mit dem Sondertarif der Linie 756 ein weiterer hinzu.
Ebenso ärgerlich für den Verkehrsclub ist das beharrliche Schweigen des sächsischen Verkehrsministers. „Eine ganze Region wird hier immer weiter von einem guten ÖPNV-Angebot abgeschnitten und nicht einmal bei seiner Eröffnungsrede des RB-110-Haltes Meißen-Altstadt ist Herr Morlok auf die Bahnabbestellung zwei Tage zuvor eingegangen“, ärgert sich Schmiedel (Pressemeldung VCD Landesverband Elbe-Saale e. V., 13.12.13).

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