Brandenburgs Nahverkehr unter dem Rotstift

Am 23. April fand in Potsdam die Regionalkonferenz des VBB statt.

Hintergrund für die etwas größere Startveranstaltung waren die beabsichtigten Kürzungen aus dem Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft (MIL).

Die Veranstaltung bekam gleich zu Beginn einen Dämpfer als betont wurde, dass nur 30 Minuten Diskussionszeit gegeben wird. Damit ging man unbequemen Fragen aus dem Weg.

Minister Vogelsänger versuchte wiederholend deutlich zu machen, warum Brandenburg so extrem sparen muss. Nicht immer wollten die Zuhörer dessen Meinung teilen.

Stolz verkündete Vogelsänger, dass es dennoch zu Angebotsausweitung kommt, durch den neuen Flughafen BER, neue Verbindung nach Berlin hinein und das man die Anbindung nach Polen verbessern möchte, wobei letztere seit Jahren vom Steuerzahler hoch subventioniert werden.

Herr Vogelsänger kritisierte den Deutschen Bahnkunden Verband, weil dieser gegen die Planungen zur Anbindung des Hauptstadtflughafens klagte. Leider hat Vogelsänger gar nicht verstanden, warum gegen die verunglückte Planung protestiert wurde.

Immer wieder wurde das Argument hervorgebracht, dass man nicht wisse, was für Geld ab 2015 zur Verfügung steht. Gleichwohl werden Bestellgelder immer höher und man sieht sich gezwungen im Bahnangebot schmerzliche Streichungen vorzunehmen.

• So werden auf zahlreichen Strecken Tagesrandlagen bzw. Einzelleistungen gestrichen. Aber wer auf gerade diese Angebote angewiesen ist, hat nun ein Problem.

• Auf der recht gut ausgelasteten Strecke Brandenburg – Rathenow kommt es am Wochenende zu einem 2 Std. Takt. Damit startet man den Niedergang dieser Verbindung, denn es wird hier wohl gern mit dem Rotstift argumentiert und schon vor Jahren war diese Verbindung schon einmal in der Diskussion

• Die Bahnstrecken Neustadt/D – Kyritz – Pritzwalk und Pritzwalk – Meyenburg werden zwar noch nicht abbestellt, aber in den Leistungen um ca. 50 % gekürzt.

Die Region soll nun in den kommenden zwei Jahren eine Lösung vorschlagen, wie der ÖPNV aussehen kann und wie dieser finanziert werden soll. Noch strebt der Landkreis den Erhalt des SPNV an. Aber wenn man die Leistungen schon jetzt kürzt, ist kaum noch Handlungsspielraum, wie man den SPNV zukunftsfähig machen kann.

Ab 2015 wird Brandenburg definitiv keine Züge mehr dort bestellen.

Ein hammerhartes Stück, wie man noch sich krampfhaft an den Vorgaben des Koalitionsvertrages halten möchte (keine Streckenabbestellungen), aber nach der Wahl in 2014 hofft die SPD, dass sich dann alles leichter erledigen lässt und man kann Bahnstrecken loswerden.

• Beeskow – Frankfurt/O. wird ebenfalls auf einen weniger attraktiven Zweistundentakt reduziert.

• Zahlreiche Zugangsstellen sollen überprüft werden, seit jahren ist dies schon eine Art von Ausdünnung auf dem bestehenden Netz. Der erhoffte Effekt, wenige Minuten Zeitersparnis und marginale Finanzzahlen, dafür aber weiter Rückzug aus der Region.

– Insgesamt werden so im Paket gesehen „nur“ 2% an Leistungen gestrichen.

Aber das streichen dieser Leistungen ist nur ein Vorgeschmack auf das, was da noch kommen kann.

Nicht umsonst sickerten weitere Informationen aus dem MIL und es darf festgestellt werden, dass das MIL im Moment durch den Koalitionsvertrag nicht stärker den Rotstift ansetzen darf.

Die ländlichen Regionen müssen für den teilweise massiven Ausbau in Berlin Opfer lassen.

Dabei ist nicht immer klar, wie hoch die Berliner Nahverkehrsfinanzierung ist. Oft trägt Brandenburg den größeren Teil der Berliner Nahverkehrsfinanzierung. Das MIL wirkt wie ein zahnloser Tiger.

Man hört auch nicht, das das MIL kritischer und mit Energie gegen die überzogenen Bestellentgelte der DB Netz AG vorgeht. Wo ist die Kritik für die hohen Stationsgebühren? Gleichzeitig muss man feststellen, dass die ewig langen RE Linien Brandenburg und in die Nachbarländer eher zum Fernverkehr gehören sollten. Brandenburg finanziert damit indirekt die Deutsche Bahn durch solche Bestellungen und dabei hat ex Minister Meyer einen überteuerten langfristigen Vertrag mit der Bahn unterschrieben. Heute ist Herr Meyer selber bei der Bahn und die EU Komm interessierte sich für diesen nebulösen Verkehrsvertrag.

Es bleibt immer wieder das Dauerargument – Demographischer Wandel. Wie schön das dieser für alle Sparzwänge herhalten muss. Letztlich werden durch Kürzungen im Nahverkehr die Regionen noch mehr in der Zukunftsfähigkeit geschadet.

Immer wieder betonte man die bessere Anbindung nach Westpolen. Im Moment sind die Züge von und nach Polen schlecht ausgelastet und es ist ein Hohn, wenn Bürger in der Prignitz erfahren, dass ihre Züge gestrichen werden, aber Züge ins Nachbarland jetzt kräftig mit Finanzmittel gefüttert werden.

Da strahlte Herr Vogelsänger, wenn er dem ÖPNV in den Kommunen sogar für Tram und Obus mehr Geld in die Hand geben kann. Für alle Betriebe 5 Mio Euro. Das reicht in keinster Weise. Das land hat sich dagegen schon lange aus der Verantwortung gezogen, um Straßenbahnen oder Obusse zu fördern. Andere Bundesländer sind hier weitsichtiger und vor allem planen die Beschaffung zentral.

Schon in den letzten Jahren wurden Bahnstrecken eingestellt, weil die Potentiale nicht erkannt wurden.

Doch Brandenburg ist im Vergleich zu anderen Bundesländern noch steigerungsreif – Trassen werden verkauft

und damit die Möglichkeit entzogen – ein Verkehrsangebot für die Zukunft zu bewahren.

Brandenburg – Belzig ist ein gutes Beispiel, die Trasse wurde verkauft und inzwischen wurden die Gleise fast

komplett zurückgebaut. Der Weg zur Entwidmung ist damit nicht mehr lang und diese Trasse verloren.

In Brandenburg sind Entwidmungen sehr schnell gemacht, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen schlossen dagegen Trassensicherungsverträge für abbestelle Bahnstrecken ab, damit diese nicht überbaut werden und erste Reaktivierungen zeigen, es war der richtige Weg.

Man spielt Regionen mit dem Ballungsraum Berlin gegeneinander aus. Warum Golm nun ständig mit der Flughafenanbindung von Potsdam ständig als Kopffahrt angefahren werden muss, will und kann ich nicht verstehen. Manche Verdichtung im Raum Berlin mag ich nicht nachvollziehen. Dabei gibt es oft parallele Angebote, welche im ländlichen Raum fehlen.

Für neue Angebote, bessere S-Bahnanbindung – wie die Wiedereherstellung der S-Bahn nach Velten etc. gibt es keine, es sei denn, es wird woanders gespart.

Brandenburg zeigt sich wenig kämpferisch….

gegenüber dem Land Berlin – zur höheren Beteiligung bei der SPNV Finanzierung.

gegenüber DB Netz – wegen der überhöhten Trassenentgelte und Stationsgebühren – welche eine Frechheit darstellen. Gegenüber einen überbezahlten VBB Chef, es war eine Ungeheuerlichkeit, dass Herr Franz gegenüber seinem Vorgänger einen großen Packen Taler mehr bekommt, die genauen Zahlen wurden bei Ihm leider nie veröffentlicht.

Und selbst bei dem bestens genutzten Angebot wären Verbesserungen angemahnt – aber es passiert nichts.

So müssten z.B. die Züge des RE 1 auf 6 oder 7 Wagenzüge verstärkt werden oder gar ab Brandenburg bis Frankfurt alle 20 Minuten verkehren. Die Begründung liegt immer auf der VBB/MIL Argumentation, dass manche Bahnhöfe zu kurze Bahnsteige haben. Doch dann muss gerade bei diesem sehr gut ausgelasteten Zug endlich investiert werden.Die Bahn hatte ja alle Bahnsteige zurückgebaut. Zu DR Zeiten waren diese viel länger.

Mit der Fahrradsaison wird es im Zug wieder sehr eng und es kommt zu Problemen im Zug.

Mit Enttäuschung vernahm ich auch die Meldung, dass Brandenburg – Rathenow an Sa/So

nun nur noch zweistündlich bedient wird. Die Fixkosten für Fahrzeug und Personal sind ja schon

der größte Anteil bei der SPNV Finanzierung. Jetzt bezahlen wir die längeren Pausen von Personal und Triebfahrzeug. Dafür ist es nicht mehr so flexibel zwischen beiden Havelstädten zu fahren.

Und bitte notieren Sie schon jetzt meine Worte – in ein paar Jahren kommt der 2 Stundentakt an Mo-Fr.

Seit Jahrzehnten in Deutschland immer dasselbe Bild – bis schließlich Busse kommen und auch deren Angebot gestrichen wird.

Bahnstrecken werden leider scharf nach Zahlen durchgerechnet und lassen schnell auf den Schluss kommen, dass da gespart werden kann. Die „vergoldete“ Ortsumgehung Wusterwitz für 30 Mio Euro zeigt, Straßen werden gebaut, egal welchen Sinn diese haben.

Ähnlich verweise ich auf den umstrittenen Ausbau der B 102 Richtung Rathenow in Hohenstücken.

Der kurze vierspurige Streifen wird mit großem Aufwand hinzementiert, obwohl es nur ein verschieben des Flaschenhals darstellt und der Flaschenhals ist das eigentliche Problem.

Insgesamt war es eine interessante Veranstaltung. Wurde Herr Vogelsänger kritisiert, reagierte er sehr grob und scharf und griff teilweise die ehrenamtliche Mitglieder der Bahnkundenvertretungen scharf an.

Das Brandenburg hier eine neue Welle von Einsparungen im SPNV und ÖPNV startet und es nicht die letzte sein wird, dass dürfte jedem bei den an den Haaren herbeigezogenen Begründungen aufgefallen sein.

Auch sollte das Land aufpassen sich aus der Verantwortung des ÖPNV zu lösen. Rufbusse und Bürgerbusse können nur begrenzt ein Ersatz für ein ÖPNV Angebot sein und sollten nur im äußersten Notfall zur Anwendung kommen. Findet sich keine Aktiven für einen Bürgerbus, dann könnte einen Region komplett ohne Nahverkehr sein.

Brandenburg braucht ein Grundnetz durch die Schienenbedienung welche auch überregional Interesse findet. Die Feinverteilung obliegt dem Busverkehr, welcher mit den bahnangeboten abgestimmt wird.

Rufbusse sollten nur begrenzt und in problematischen Regionen bzw. Zeiträumen Anwendung finden.

Meine persönliche Meinung zum Bürgerbus bleibt beim – Nein – das Land hat eine Verantwortung und darf diese nicht an engagierte Menschen abwälzen – zu viele Gefahren birgt dieses Konzept.

Brandenburg ist dabei das gute Angebot im SPNV und ÖPNV zu ruinieren – auch mit 2 % Streichungen kann man klein anfangen. Doch Fortsetzung folgt………

Thomas Stranz

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von Fahrgastinitiative BB Veröffentlicht in Bahn Aktuell

2 Kommentare zu “Brandenburgs Nahverkehr unter dem Rotstift

  1. …es werden keine fachlichen Entscheidungen getroffen, sondern nur politische.
    Der Mehrverkehr für den Flughafen ist gewollt, den bezahlen wir! Mehrverkehr von einem viertelstundentakt Potsdam – Berlin F.Straße ist gewollt, den bezahlen wir.
    Was interessiert Herr Vogelsänger Kyritz an der Knatter…..

    Wie schon erwähnt, das schlimme ist, dass die heutigen Entscheidungen im Ministeroium oft noch mit Verkauf und Vernichtung der infrastruktur einhergehen. Trassen und Infrastruktur ist dann vernichtet, auch wenn man heute nicht weiß, was Morgen für Bedarf an Infrastruktur sein könnte.

  2. Wie stellte im Januar 2008 der damalige brandenurgische Verkehrsminister Dellmann fest: “ … verliert der Öffentliche Personennahverkehr durch die Stilllegung von Zugstrecken an Fahrgästen. Es gebe einen Schienenbonus, … (antwortete Dellmann auf eine parlamentarische Anfrage).“
    Es ist nachgewiesen, das die Hälfte bis zu zweidrittel der Fahrgäste auf das eigene Auto umsteigen! Das wird immer wieder von unseren Politikern „verdrängt“!?
    Rathenow-Brandenburg stand 2006 schon einmal zur Debatte.
    Ich gebe hier meinem „Vorredner“ recht, das ist der Anfang vom Ende!
    Dabei gibt sich die Regierung auch noch so umweltbewust!
    Es gibt genügend Gelder die zur Zeit im Namen des Umwelt(Klima)schutzes ohne Sinn und Verstand verschleudert werden, damit ließe sich ein ordentlicher ÖPNV entwickeln und würde damit diesen Zielen viel näher kommen – wenn man wollte …

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