Potsdam – Straßenbahnnetz wird nicht erweitert

[12.03.2012] Der Deutsche Bahnkunden-Verband (DBV), Regionalverband Potsdam-Mittelmark bedauert den möglichen ausbleibenden Ausbau des Potsdamer Straßenbahnnetzes. Mehr Qualität im ÖPNV ist aber auch ohne neue Strecken möglich und nötig!

Wir haben Verständnis dafür, dass auch der ÖPNV und damit der Ausbau des Straßenbahnnetzes fiskalischen Notwendigkeiten unterliegt. Allerdings sind wir der Meinung, dass gerade in Zeiten leerer Kassen die Investitionen in den ÖPNV absoluten Vorrang genießen sollten. Das gilt nicht nur im Sinne der Nachhaltigkeit von Investitionen, wie sie beim schienengebundenen ÖPNV bestens gegeben ist.

Ein Blick in die Städte, die auf die Straßenbahn setzen, offenbart, dass dieses Verkehrsmittel ein Garant für attraktiven und nachgefragten ÖPNV ist. Dieser reduziert nicht nur den Autoverkehr einhergehend mit einem zurückgehenden Bedarf an Flächen für Parkplätze etc., einer Verbesserung des Stadtklimas und einer Erhöhung der Verkehrssicherheit.

Es ist auch hinreichend nachgewiesen, dass Straßenbahnen dazu beitragen, dass die räumlichen sozialen Trennungen in einer Stadt aufweichen – ein Aspekt der in Potsdam zunehmend an Brisanz gewinnt. Zudem ist ein attraktiver ÖPNV ein absoluter Standortvorteil.

Der DBV ist sich dessen bewußt, dass die Planung und der Bau einer neuen Straßenbahnstrecke eine halbe Generationenaufgabe ist. Die Proteste um die Straßenbahnstrecke nach Golm offenbaren dabei zwei grundlegende Fehler, wie sie sich nie wieder wiederholen sollten: 1. bei der Ausweisung neuer Wohngebiete muss man sich alle Optionen und damit die Flächen einer späteren Anbindung offenhalten. 2. in sämtliche Planungen ist die Bevölkerung von Anfang an einzubeziehen.

Wir fordern deshalb in jedem Falle, potenzielle neue Strecken im Flächennutzungsplan festzuschreiben, um den nachkommenden Generationen alle Möglichkeiten offenzuhalten. Die verschiedenen Ausbaupläne sollten priorisert werden und in Abstimmung mit den Anwohnern und ggf. in Etappen realisiert werden. Für die Strecke nach Golm hieße das z.B. in einem ersten Bauabschnitt bis auf Höhe der Wohnheime an der Kaiser-Friedrich-Straße zu bauen.

Doch auch ohne neue Straßenbahnstrecken kann und muss die Qualität des Potsdamer ÖPNV deutlich verbessert werden. Trotz steigender Einwohnerzahlen wurden die Zuwendungen in den letzten Jahren zurückgefahren bzw. eingefroren – eine Rechnung die nicht mehr aufgeht!

So zeigt sich täglich, dass die Straßenbahnlinien auf einigen Abschnitten zeitweise schon jetzt an die Grenzen ihrer Kapazitäten stoßen. So wünschenswert die Beschaffung der neuen Straßenbahnen ist, ohne Taktverdichtungen wird mit ihnen die Nachfrage auf einigen Abschnitten in der Zukunft kaum gedeckt werden können. Um die Beschaffung längerer Fahrzeuge und der Verdichtung des Angebotes wird man in unserer Stadt nicht herumkommen!

Weitere Attraktivitätssteigerungen ließen sich erreichen, wenn man Autofahrern das Umsteigen auf den ÖPNV erleichtert. An den Endhaltestellen am Stadtrand sollten durchgängig P+R-Anlagen installiert werden. In der Innenstadt halten wir eine tarifliche Einheit der Parkhäuser mit dem ÖPNV für absolut notwenig.

Der DBV Regionalverband Potsdam-Mittelmark ist sich dabei der finanziellen Lage der Stadt Potsdam bewußt und sieht bei der Stärkung des ÖPNV auch das Land und den Bund in der Pflicht. Beide kommen aus unserer Sicht ihrer Verantwortung nicht nach. Das Land Brandenburg fördert den ÖPNV lediglich mit weitergereichten Bundesmitteln, stellt aber selber keine finanzielle Unterstützung zur Verfügung. Aus unserer Sicht völlig verfehlt ist an dieser Stelle auch die Förderpolitik des Bundes. Während Millionen Forschungsgelder im weitaus überhöhten Maß für Elektroautos eingesetzt werden, bleiben jene Verkehrsmittel auf der Strecke, die schon seit über 100 Jahren einen effizienten, ökologisch vorteilhaften und stadtbildverträglichen Verkehr ermöglichen: Straßenbahn und Obus.

*

Weiterhin in Nahverkehrszügen an die Ostsee

Neuvergabe der Regionalverkehrsleistungen ab 2014 bringt kaum notwendige Verbesserungen

[29.02.2012] Viele Verbände haben die teilweise katastrophalen Zustände in den Zügen an die Ostsee kritisiert. In den Sommermonaten herrschen dort Zustände, wie man sie nur von den Hamsterfahrten nach 1945 kennt. Leider werden die vom Verkehrsverbund ab Dezember 2014 greifenden Verbesserungen kaum zu einer wesentlichen Entspannung beitragen. Was fehlt, ist eine Neuausrichtung des gesamten Regional- und Fernverkehrsangebotes in der Region. Jedoch scheint den bestellenden Bundesländern dazu der Mut zu fehlen.

Einzige Verbesserung wird sein, dass alle Züge auf der Linie RE 5 und RE 3 dann mit fünf Doppelstockwagen fahren. Aber an der Sitzplatzaufteilung noch an der Möglichkeit der Gepäckablage in Reichweite wird sich etwas ändern. Es sind und bleiben Wagen für den Nahverkehr und nicht für Distanzen von zweihundert und mehr Kilometern Reiseweite. Deshalb sieht der DBV Berlin-Brandenburg wieder eine Chance vertan, durch eine Neuordnung und Verbesserung (Taktverdichtung zu nachfragestarkten Zeiten, andere Sitzplatzaufteilung, mehr Fahrradabstellplätze) des Angebotes das Bahnreisen an die Küste angenehmer zu machen.

So werden auch ab Sommer 2015 Stehplätze von Prenzlau und Fürstenberg genauso weiterhin die Regel sein wie übereinander wild gestapeltes Gepäck und Fahrräder. Auch an den ständigen Verspätungen, die bedingt werden durch die enorme Nachfrage, wird sich nichts ändern.

Der DBV Berlin-Brandenburg wiederholt seine Forderung, dass bei zukünftigen Ausschreibungen endlich im Vorfeld eine sachgerechte Diskussion mit den Verbänden der Fahrgäste und Radfahrern stattfinden muss, um wirklich eine spürbare Verbesserung des Angebotes durchzusetzen.Die praktizierte Regelung, die Ausschreibungsbedingungen als Geheimverhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorzubereiten, hat zu einem nicht optimalen Ergebnis geführt. (Quelle DBV Brandenburg)

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von Fahrgastinitiative BB Veröffentlicht in Bahn Aktuell

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