Fahrgastvertretung „Fahrgastaktiv“ traf sich zum Jahresabschlussbericht 2011 mit dem VBBr

Offiziell trifft sich die Fahrgastvertretung „Fahrgastaktiv“ zweimal im Jahr. Hinzu kommen gesonderte Gespräche und Kontakte, welche seit 2006 intensiv mit dem VBBr geführt werden.

Zum einen werden Kritiken von Fahrgästen und Verbänden eingebracht, zum anderen berichtet die Geschäftsführung über das vergangene Jahr, über Probleme und über die schwierige Zukunft.

 

Und gerade das Thema Zukunft des ÖPNV in der Stadt Brandenburg an der Havel ist ein Schwerpunkt – insbesondere die Zukunft der Straßenbahn.

Seit Jahren leidet der ÖPNV der Stadt Brandenburg an den Kürzungen durch die Stadt. Brandenburg ist hochverschuldet, leistet sich aber immer wieder nicht nachvollziehbaren Luxus. Gespart wird am ÖPNV, Jugendarbeit und Sozialleistungen.

Der Fahrplan wurde stark heruntergefahren und weißt kein Taktbild mehr auf. Allerdings sind die Spielräume für weitere Einsparungen damit auch vergeben. das derzeitige Angebot ist soweit optimiert, dass man das Angebot noch als gut akzeptieren kann. Jede weitere Einsparung würde jedoch dann wirklich an Qualität und Quantität des ÖPNV der Stadt Brandenburg starken Einfluss nehmen und der Schaden wäre vorprogrammiert – Rückgang der Fahrgastzahlen.

Dennoch muss gespart werden, denn Treibstoffe, Strom, Werkstattkosten etc. haben sich verteuert und selbst jede Baustellenumfahrung kostet erheblich mehr Geld.

Dennoch passiert einiges in Brandenburg.

In 2012 stehen zahlreiche Baumaßnahmen an, so wird derzeit am Hauptbahnhof die zentrale Tramhaltestelle komplett modernisiert, zum Teil mussten die Gleise auf abgefederten Böden gelagert werden, damit die Schwingungen sich nicht auf das daneben liegende Gesundheitszentrum auswirken. Es werden 6 Bahnsteige errichtet und neue Zugangsmöglichkeiten vom Hauptbahnhof. Erfreulich dabei, ein Richtungsbahnsteig wird mit der Stadtbushaltestelle gekoppelt. Im Frühjahr wird man auch den zentralen Regionalbushaltekomplex am Hauptbahnhof erneuern.

Weitere große Baumaßnahme ist der Umbau des zentralen Nicolaiplatzes in Brandenburg. Hier wird der komplette Platz umgestaltet und die Vielfalt an Haltestellen dabei auch etwas verringert. Das derzeitige gestreckte Gleisdreieck konnte leider nicht erhalten werden, aber wird durch ein Gleisdreieck wieder ersetzt und damit sind Ringzüge weiterhin möglich.

Weiterhin wird im Zuge der vierspurigen Erweiterung der B102 aus Richtung Rathenow, die Querung der Kreuzung in Hohenstücken komplett neu gebaut. Zeitweise muss die VBBr mit Provisorien arbeiten, damit die Busse den Betriebshof überhaupt verlassen können.

Im Herbst starten dann Bauarbeiten in der großen Gartenstraße, wo ein Abwasserkanal erneuert werden muss. Hier wird dann zeitweise nur eingleisiger Betrieb möglich sein.

Weitere Baumaßnahmen – wie die Errichtung eines Fahrradstreifens in der Steinstraße sind erst 2013 zu erwarten, damit werden wieder Einschränkungen im Tram und Busverkehr zu erwarten sein.

Diese Baumaßnahmen zeigen zumindest, es wird weiter investiert. Das Netz befindet sich derzeit in einem guten Zustand und damit halten sich Investkosten zum Glück in Grenzen. Problem ist die künftige Finanzierung des ÖPNV durch das Land Brandenburg. So richtig hatte Brandenburg schon immer SPNV und ÖPNV stiefmütterlich behandelt. Bei der Bahn war es der Kahlschlag auf Nebenbahnen – wobei heute in ungeahnten Ausmaß Strecken zurückgebaut und entwidmet werden.

Aber auch der ÖPNV ist nicht sonderlich im Fokus des MIL – und schon gar nicht die Straßenbahnbetriebe im Land. Das MIL steht der Auffassung – das die Kommunen sich entweder die Tram leisten können oder nicht. Sonderförderungen wird es nicht geben. Einzig Potsdam hat das Potential für Trambetrieb, dabei ist die ViP ständig in der Kundenkritik.

Wie sollen die Straßenbahnbetriebe überleben, wenn es kein Geld mehr gibt?. Wie sollen laufende Kosten bzw. Fahrzeugneubeschaffungen finanziert werden?

Die Straßenbahnfahrzeuge der VBBr sind fast 26 Jahre alt. Die KT4D und deren Umbauvarianten KTNF6 wurden als Neubaufahrzeuge von 1979 bis 1983 beschafft. Erst 1995 kamen noch 4 DUEWAG Fahrzeuge in den Bestand, welche jedoch zu ungünstigen Konditionen erworben wurden.

Geschäftsführer Jumpertz berichtete, dass die ehm. KT4D in einem guten Zustand sind. Bis auf die Hülle ist inzwischen alles ausgewechselt wurden und technisch heutigen Erfordernissen angepasst wurden. Anfang der 90er wurden die KT4D technisch überholt und Ende der 90er wurden 10 Fahrzeugen ein Niederflurteil eingebaut, so das heute auf allen Linien wenigstens ein Teil an Niederflur angeboten werden kann. Noch gibt es Ersatzteile und die Wagen fahren. Man rechnet mit ca. 10 – 15 Jahren, dass die KTNF6 noch ohne Probleme im Einsatz verbleiben können.

Aber man weiß, dass man investieren muss. Allein der psychologische Effekt bei den Fahrgästen ist hier nicht zu verachten.

Es muss an Neubeschaffung nachgedacht werden, auch wenn derzeit nur über eine Garantie der Tram bis 2020 gesprochen wird. Die derzeitigen Investitionen hätten aber eine Fördermittelbindung für ca. 25 Jahre. Aber das muss heutzutage nicht viel heißen.

Derzeit finden Gespräche zwischen den 1000 mm Betrieben im Land Brandenburg statt. Es wird versucht ein gemeinsames Lastenheft zu entwickeln, um einen Einheitstyp für die kleineren Straßenbahnbetriebe zu entwickeln. Sicherlich wird es nicht leicht sein, sich auf einen gemeinsamen Nenner zu einigen, zu unterschiedlich sind Tram Betriebe – allein schon durch die geschichtliche Entwicklung. Könnten Brandenburger Straßenbahnbetriebe gemeinsam einen neuen Fahrzeugtyp beschaffen, wäre es möglich einen Teil der beschaffungskosten zu senken.

Aber auch hier ist die Krux – woher soll das Geld kommen, denn Finanzmittel zur Beschaffung neuer Fahrzeuge gibt es nicht mehr und wird es nicht mehr geben.

Vielmehr wird es ein Hauen und stechen geben. Man wird die Realkosten des Busbetriebes mit denen der Trambetriebe vergleichen. Nachhaltigkeit spielt da keine Rolle. Noch eine Unwägbarkeit kommt hinzu, denn derzeit läuft wieder die Diskussion um eine Kreisgebietsreform. Sollte Brandenburg eine Stadt im Landkreis Potsdam-Mittelmark (schon der Name ist ein Unding) sein, sähen die Chancen für den Trambetrieb in Brandenburg an der Havel schlecht aus.

Es wird mit Sicherheit ein politisches Gemetzel und die Tram wird zu gegebener Zeit dafür wieder einmal missbraucht.

Hoffen wir auf Einsicht und auf eine Zukunft für die Tram in Brandenburg.

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