IHK verlangt, S-Bahn Ausschreibung jetzt zu starten

Die IHK Berlin fordert den Berliner Senat auf, mit der Ausschreibung eines Teils des S-Bahn-Netzes umgehend zu beginnen. Nach der Absage der Deutschen Bahn AG, die S-Bahn an das Land Berlin zu verkaufen, dränge nun die Zeit, erklärte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin, Christian Wiesenhütter, am Freitag.

„Es ist höchste Eisenbahn für den Start der Ausschreibung“, sagte Wiesenhütter. „Im Jahre 2017 läuft der Vertrag zwischen dem Berliner Senat und der Deutschen Bahn AG zum S-Bahn-Betrieb aus. Bis dahin sind es noch fünf Jahre, die die Wettbewerber aber brauchen, um ihre Vorbereitungen für ihren Einstieg in den S-Bahn-Betrieb zu treffen und beispielsweise neue S-Bahn-Wagen zu bestellen. Es ist nämlich immer noch nicht klar, wer die Züge ordert. Hier kommen das Land Berlin, die Bahnunternehmen, Herstellerbeteiligungen oder andere Kooperationen infrage. Bereits vor einem Jahr haben wir ein tragfähiges Konzept zur S-Bahn-Ausschreibung vorgelegt und eine Teilung des Streckennetzes in drei Streckenbündel vorgeschlagen.“

„Die Ausschreibung ist der einzige Weg zu mehr Service und Zuverlässigkeit im öffentlichen Personennahverkehr“, ergänzte Wiesenhütter. „Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg hat gezeigt, wie er den Regionalverkehr durch Ausschreibung zu neuer Qualität geführt hat. Dies ist genauso für die S-Bahn wünschenswert.“ (Pressemeldung IHK Berlin, 16.01.12).

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VBB bedauert verzögerte Auslieferung der Talent 2-Fahrzeuge

Der weiterhin ausstehende Einsatz der neuen Talent 2-Fahrzeuge verzögert auch die geplanten Qualitätsverbesserungen im Regionalverkehr in Berlin und Brandenburg. Durch das von der DB Regio AG rechtzeitig erarbeitete und im Dezember umgesetzte Ersatzkonzept können jedoch die Fahrpläne eingehalten werden. Zum Start des neuen Hauptstadt-flughafens im Juni ist jedoch der Einsatz des Talent 2 zwingend erforderlich. Die Misere bei der Zulassung und Auslieferung der neuen Regionalzüge des Typs „Talent 2“ zeigt mit Blick auf künftige Ausschreibungen, wie wichtig es ist, das Risiko für die Beschaffung neuer Fahrzeuge auf mehrere Betreiber zu verteilen.

Die Probleme mit den neuen Talent 2–Fahrzeugen bestätigen, dass es notwendig ist, das Risiko der Fahrzeugbeschaffung in Ausschreibungsverfahren auf mehrere Betreiber zu verteilen und damit auch eine Vielfalt in der Fahrzeugbeschaffung zu ermöglichen. Im Vergabeverfahren Netz Stadtbahn wurde per Loslimitierung festgelegt, dass nicht alle Leistungen an einen Betreiber gehen dürfen.

Neben der DB Regio AG gewann auch die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG) zwei Lose und konnte im Dezember 2011 auf den Linien OE33 Berlin Wannsee – Jüterbog, OE35 Fürstenwalde (Spree) – Bad Saarow Klinikum und OE51 Brandenburg Hbf – Rathenow mit fabrikneuen Fahrzeugen den Betrieb aufnehmen. Allerdings handelt es sich dabei um Dieseltriebzüge eines anderen Herstellers (GTW 2-6 und RegioShuttle der Firma Stadler Pankow).

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg bedauert, dass die DB Regio AG die neuen Talent 2-Fahrzeuge vorerst nicht einsetzen kann. Einige vertraglich vereinbarte Qualitäts-verbesserung können deshalb nicht umgesetzt werden. Die Fahrgäste müssen weiter auf Komfortverbesserungen wie bessere Barrierefreiheit, Videoüberwachung oder die Klimatisierung warten.

Jörg Vogelsänger, Minister für Infrastruktur und Landwirtschaft kritisiert die Verzögerungen: „Geschlossene Verträge sind einzuhalten. Die Fahrgäste haben einen Anspruch darauf. Wir sind entsetzt, dass die Probleme über so lange Zeit verschleppt wurden. Wir erwarten aber auch, dass als Ersatz hochwertige Fahrzeuge zum Einsatz kommen.“ Bis zum tatsächlichen Einsatz werden entsprechende Vertragsstrafen fällig.

Positiv ist, dass rechtzeitig ein tragfähiges Ersatzkonzept von der DB Regio AG erarbeitet wurde und dadurch die Fahrpläne eingehalten werden können.

Der VBB geht davon aus, dass die Talent 2-Fahrzeuge für den Airport-Express RE9 mit der Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) betriebsbereit sind. Diese Verkehre müssen erbracht werden sagt Hans-Werner Franz, VBB-Geschäftsführer: „Es wäre äußerst peinlich, wenn zum neuen internationalen Flughafen nicht auch moderne Regionalzüge mit qualitativ hochwertiger Ausstattung fahren würden. Ein Imageschaden für Berlin und Brandenburg wäre unvermeidlich, das gilt es auf jeden Fall zu verhindern.“ (Pressemeldung VBB, 09.01.12).