Brandenburg: Talent 2 alles andere als Behindertengerecht

Die Deutsche Bahn hat beim Hersteller Bombardier vor wenigen Jahren ein neues Standardfahrzeug bestellt, welches im S-Bahn und Regionalverkehr für Haupt- und Nebenbahnen zum Einsatz kommen soll. Nach der ersten erfolgreichen Produktlinie, wurde das Fahrzeug TALENT 2  benannt. Mit vielen Vorschusslorbeeren und positiven Fachaufsätzen, kam aber auch schnell der Ärger. Seit 2009 sollten die Serienfahrzeuge im Planeinsatz rollen. Zulassungsprobleme lassen nagelneue Triebwagen nun auf verschiedenen Abstellbahnhöfen vor sich hinstauben.

Aber weitere Probleme wurden auffällig.

Das Fahrzeug wurde zwar als Behindertengerecht beworben, schaut man sich den Triebwagen genauer an, sieht man, das ist dem nicht so. So werden im Brandenburger Fünfteiler nur 2 Rolltuhlplätze angeboten. Diese sind nicht einmal in einem Wagenteil. In 4 Mehrzweckbereichen ist nur noch Platz für Fahrräder und/oder Kinderwagen. Gegenwärtig fahren z.B. auf dem RE 7 noch 4 ältere DR Doppelstockwagen, wo man pro Wagen bis zu 4 einfache Rollis unterbringen kann. Der steuerwagen verfügt zudem über eine Rampe, welche am TALENT 2 ebenso gesucht wird. Im Starken Pendlerverkehr auf den RE linien im Land Brandenburg sind die neuen Talente dadurch einfach ungeeignet, da die Mehrzweckabteile zu klein dimensioniert sind. Im Vergelich zu den jetzigen alten Doppelstockwagen mit ca. 14 Rollstuhlplätzen pro Zug, sinkt das Angebot auf zwei Plätze, welche aber auch Kinderwagen etc. vorgehalten sind.

Weiteres Problem sind die behindertengerechten Toiletten. Diese sind dank der Bauweise nur bei nicht überfüllten Zug mit dem Rolli nutzbar. Ansonsten hat der Rollfahrer mächtig zu rangieren, um bei den Platzverhältnissen hinein zu kommen.

Die von der Bahn beworbenen besonderen Erleichterungen für Schwerbehinderte, wie z.B. die Türtaster feilen ebenso durch. Türtaster mit der Symbolik für Öffnen, die aber keine Öffnungsfunktion haben, diese informieren lediglich den Triebfahrzeugführer, dass dieser die Türen freigeben soll.

Ebenso bleiben die vielen Ebenen im Zug ein Problem, da diese nur über viele Stufen erreichbar sind und Barrieren nicht nur für Behinderte darstellen. Das es auch anders geht kann man alle zwei jahre auf der InnoTrans verfolgen, denn im vergleich zu den Deutschen Nahverkehrsprodukten konnte ich Fahrzeuge kennelernen, welche durchweg Niveaugleich sind und damit viel behindertenfreundlicher aufgebaut sind.

Es bleibt zu hoffen, dass die jetzt startende Kommunikation zwischen Land, VBB und Bahn doch noch Nachbesserungen bringt. Der Talent 2 ist nicht das geeigneteste Fahrzeug für den Großraum Berlin. Die Doppeldeckerwagen haben sich hier bewährt und verfügen über mehr Stauraum.  Aber natürlich ist der Talent 2 als modernes Fahrzeug so konzipiert, dass man die Inneneinrichtung variieren kann. So müssen eben mehr Klappsitze eingebaut werden, damit die Mitnahmemöglichkeit von Rollstühlen erhöht wird. Der Platz in den Mehrzweckabteilen muss unbedingt wachsen.

Wir freuen uns über jede Zuschrift, welche Probleme Schwerbehinderte im ÖPNV in Berlin und Brandenburg haben. Melden Sie uns Ihre Probleme und wir versuchen eine Lösung zu finden. Der Landesschwerbehindertenbeauftragte des Landes Brandenburg unterstützt unser Engagement.

Thomas Stranz I Fahrgastinitiative BB

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