Unglücksvogel – Doppelstock – Schienenbus 670

Die Gerüchteküche sagt, dass der Bahnchef Ludewig auf einen „Schmierzettel“ die Idee für einen Doppelstöckigen Schienenbus hatte. Es war dann auch erstaunlich schnell, wie es die DWA schaffte, ein solches Fahrzeug zu entwickeln und zu bauen. Damit war der DVT eines der ersten Triebwagen der neuen VT Generation, die heute durch RegioShuttle und Desiros usw. geprägt wurden.

Auch heutzutage gibt es Leichttriebwagen, auch wenn diese nicht mehr diesen altehrwürdigen Charme besitzen und außerdem recht anglizistische Namen wie RegioSprinter oder RegioShattle tragen. in Interessantes und mit seinen zwei Achsen dem LVT sehr ähnlichen Fahrzeug, ist der DWA-Doppelstockschienenbus. Leider sorgte diese mit viel Vorschusslorbeeren geehrte Fahrzeug – wegen dauernder technischer Pannen, für Unmengen negative Schlagzeilen u8nd letztlich zur Stornierung der Serie.

In folgenden ein kurzer Überblick zur Baureihe 670 – Der Prototyp der Baureihe 670 wurde im Herbst 1994 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Dieser wurde vom damaligen DWA Werk Dessau hergestellt und in einer relativ kurzen Zeit entwickelt. Besonderheit waren die „Extrem-Leichtbauweise“ welche Widerrum zu Zulassungsproblemen führte. trotzdem konnte die Fahrzeugmasse pro Sitzplatz auf etwa 50% reduziert werden.

Oben sehen wir den Prototyp zur Waggon 95 in Leipzig und hier in seiner aktuellen Heimat in Ferropolis bei Dessau.

Als die ersten DVT ausgeliefert wurden, waren die Überlegungen für ein neues Farbkonzept noch nicht entgültig ausgereift.

So kam es, dass einige Triebfahrzeuge des Nahverkehrs – die heute uns gewohnte Fernverkehrsfarbe trugen.

Nummer

Baujahr

Hersteller

Fabrik Nummer

Bemerkungen

Prototyp

1994

DWA  Dessau

670 001

1996

DWA Ammendorf

2.571

670 002

1996

DWA Ammendorf

2.572

670 003

1996

DWA Ammendorf

2.573

670 004

1996

DWA Ammendorf

2.574

670.005

1996

DWA Ammendorf

2.575

670 006

1996

DWA Ammendorf

2.576

Obwohl es immer wieder zu Ausfällen kam, die „ALMA“ zwischen Stendal und Tangermünde war in der Bevölkerung sehr beliebt.

Der 670 002 bekam außerdem das berühmte und sehr gute Marketing-Design der NASA verpasst, mit Schriftzug der Zielorte – dem Taufnamen „Alma“ und die Stationen bekamen eine Abfahrtstafel mit der vertackteten Abfahrtszeit. In Stendal ging es stündlich immer .00 los nach Tangermünde.

Die erste Einsatzstrecke war in Thüringen die Verbindung Weimar-Kranichfeld. Hier sollte eine Musterstrecke des SPNV entstehen. Allerdings war der Ausfall der DVT derart gross, dass diese hier nicht lange im Einsatz standen. 670 003 noch mit ungewöhnlichem DB Keks in Kranichfeld

Die neuen innovativen Triebwagen sind von der Idee her und von der Bauweise sehr interessant. Vor allem können diese VT auf Nebenstrecken sehr kurze Bahnsteige nutzen bei erhöhten Fahrgastpotential.

Leider war die Entwicklung dieser Triebwagen noch nicht ausgereift und somit ist diese Konstruktion leider stark in Verruf geraten. Der rote Prototyp (ohne Nummer) erhielt keine EBA Zulassung und war auf verschiedenen Strecken nur mit Ausnahmegenehmigung im Einsatz. Heute befindet sich diese Fahrzeug in Obhut des Bergbau- und Bahn Vereins in Ferropolis (zw. Dessau und Gräfenhainichen). Hier verbindet der DoSto VT die Schienenfahrzeugausstellung mit den riesigen Tagebau – Baggern.

Die Lieferung der Serie erfolgte ab 1996. Dabei wurden noch 670 001 – 670 002 im weißen Grundton ausgeliefert. 3 Triebwagen waren für Baden Würtemberg vorgesehen und 3 für Thüringen. Sachsen-Anhalt gab eine Option für 18 Triebwagen heraus, die später annulliert wurde und dem LVT/ S der Burgenlandbahn zugute kam.

Im Werk Ammendorf konnten bei einem „Tag der offenen Tür“ sogar zwei weitere unfertige Wagenkästen entdeckt werden. Warum man nicht weiter am eigentlich positiven Konzept des DVT arbeitete bleibt ungeklärt, denn der in ähnlicherweise entstandene LVT/ S hat sich bestens bewährt.

Die DBAG hatte mit den anhaltinischen VT insgesamt 28 VT bestellt. Thüringen erhielt 670 001/ 003/ 004 und setzte diese auf der Strecke Weimar-Kranichfeld ein. Die Störanfälligkeit auf dieser hügeligen Strecke brachte jedoch nicht den erhofften Erfolg, wobei Ausflügler und Fahrgäste sonst ganz begeistert vom DoSto VT waren.

In Ammendorf bei Halle standen 670 001; 670 004 und 670 006 wegen der dauernden Ausfälle abgestellt. Die DB AG hatte kein Interesse mehr an diesem Fahrzeug. Der Hersteller schien zu jener Zeit auch Abstand von einer Serie genommen zu haben.

Inzwischen verzichtete Thüringen völlig auf diesen VT und wartet auf neue Triebwagen der DB AG. Die Würtembergischen Triebwagen 670 002 und 005 waren auf der Strecke Bullay-Traben Trarbach im Einsatz und bei den Ausflugs-Fahrgästen sehr beliebt. Dafür sorgte jedoch die Schadanfälligkeit bei Personal und Einheimischen für Unzufriedenheit.

Die Triebwagen liefen auf dieser bergischen Strecke immer wieder heiß, so dass diese oft das Herstellerwerk anlaufen mussten. Schießlich war das Land als Finanzierer nicht mehr bereit, diese Schadhaften VT weiter im Einsatz zu belassen. Die Fahrzeuge wurde gegen 628 getauscht.

Die freiwerdenden 670 wurden nach Thüringen 670 005 und Sachsen-Anhalt 670 002 abgegeben. In Sachsen-Anhalt kommt der 670 002 auf der Strecke Stendal-Tangermünde seitdem zum Einsatz und wurde auf den Namen „Alma“ getauft. Hier wird jetzt im Stundentakt gefahren und das Fahrzeug ist sehr beliebt. Die Ausfälle sind auf dieser Flachlandstrecke auch relativ gering. Als Reservefahrzeug steht allerdings der dem Hersteller gehörende 670 006 zur Verfügung, der von der Bevölkerung auch „Albert“ genannt wird. Doch die DB AG war bestrebt die Splittergattung aufzugeben und gab alle VT an den Hersteller zurück, der diese wiederum weiterveräußerte.

670 003 war leihweise wie auch 670 006 bei der FBE im Einsatz. Hier sehen wir ersteren am Kraftwerk Vockerode, was zu jener Zeit Ausstellungsort der Landesausstellung war. Leider wurden die markanten Schornsteine gesprengt.

Die DBAG hat inzwischen ihre Bestellung für 28 Fahrzeuge zurückgezogen. Die Mängel sind einfach zu Groß und werden anscheinend nur halbherzig behoben. Wohl hat man sich vom Gedanken der Ultraleichtbauweise ebenso getrennt, wie eine Ertüchtigung und vollkommene Überarbeitung der DVT bzw. einer danach neu anzubietenden Serie.

Zur Verkehr- und Logistik 2000 in Leipzig war von Bombardier zu erfahren, dass man die Schienenbusse an den Betreiber der Dessau-Wörlitz Eisenbahn abgeben möchte. Hier könnte dadurch allein die Bahnfahrt zu einem Erlebnis werden. Probleme mit dem Rückkauf von der Deutschen Bahn räumte der Hersteller ein.

Ergänzung 2011 – Die Doppelstocktriebwagen haben leider nie verleugnen können, dass die Technik nicht ausgereift ist.  Auch bei den heutigen Nachnutzern, der Dessauer Verkehrsgesllschaft und Prignitzer Eisenbahn, ist bekannt, dass diese Fahrzeuge sehr anfällig sind.

Die Dessauer Fahrzeuge wurden bislang durch die Anhaltinische Bahngesellschaft eingesetzt. Neben technischen Ausfällen, waren beide Triebwagen zuletzt durch Unfälle an Bahnübergängen beschädigt wurden.Die ABG hat zwischenzeitlich Insolvenz angemeldet und die Fahrzeuge werden von der DVE künftig eingesetzt.

Die Prignitzer Fahrzeuge sind in einer Leasinggesellschaft übernommen wurden und werden auch Drittnutzern angeboten.

TECHNISCHE DATEN:Spurweite 1.435 mm

Maximale Fahrgeschwindigkeit 100 km/h

Fahrzeuglänge 16.332 mm

Achsstand 9.000 mm

Fahrzeugbreite 3.070 mm

Fabrzeughöhe über SO 4.630 mm

Einstiegböhe über SO beidseitig 600 mm

Sitzplätze (davan Kindersitze) 78 (6)

Stenpiötze 32

Antriebsleistung 250 kW

Eigengewicht (DIN 25008) 27,5 t

Gesamtgewicht (DIN 25008) 33,2 t

Maximale Radaatzlast 18,0t

Karosserie

Stahlleichtbauweise in Gerippekonstruktion und aufgeklebten, verzinkten Blechen im Mittelteil.

Die Fahzeugköpfe sind eine GFK-Konstruktion.

Chassis und mittragende Aufbauten bilden zusammen die Tragkonstruktion.

(C)1999 – 2004 Thomas Nitsch

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