Abschied von 528120 – Uckro-Dahme

Wie in jedem Jahr – gibt es heute hier wieder eine Dampfgeschichte zur Weihnachtszeit. Nun ist es schon fast wieder 10 Jahre her. Da drehte die letzte betriebsfähige Dampflok des Bw Falkenberg ihre Runden und das 3 Jahre nach dem offiziellen Dampfschluss. Die Personale hatten es geschafft, aus der Heizlok ein Schmuckstück heraus zu putzen. Gleichzeitig konnte man die Wendezeit ausnutzen, um unkompliziert Dampffahrten anzubieten. Heutzutage wäre so etwas gar nicht mehr möglich. So wurde nicht nur die Dampflok zur Freude der Bevölkerung und der Eisenbahner eingesetzt, nein auch längst vergessene Strecken wie Annaburg-Prettin, Neuburxdorf-Mühlberg und Uckro-Dahme konnten so noch einmal in den Mittelpunkt der Eisenbahninteressierten gerückt werden. Letztere Strecke wird sich in unserer folgenden Geschichte widerspiegeln.

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Es ist Samstag der 7. Dezember 1991. Heute soll 528120 auf ihre vorletzte Reise gehen, bevor sie wegen Fristablauf abgestellt werden muss. Da diese Plan-Dampf-Aktion nicht offiziell stattfand, wussten nur wenige von dieser Fahrt. Die Eisenbahner in und um Falkenberg waren recht unkonpliziert und unterstützten solche Dampflokeinsätze. Die verschwommene Rechtslage der Deutschen Reichsbahn begünstigte solche Aktionen und auch vor Ort gab es grünes Licht von den Verantwortlichen.

Da man auf Plandampfaktionen von Privat bisher nicht vorbereitet war und in den Chefetagen auch noch Unklarheiten herrschten, wer zu was zuständig sein sollte, gab es also keinerlei Probleme.  Viele Vereine nutzten diese Situation aus und so kam es 1990/ 91 noch einmal zu interessanten Aktionen. Ich bekam ein paar Tage vor Fahrttermin vom Torgauer Vereins-Chef einen Anruf, daß am Wochenende 528120 die letzten Runden drehen wird. Am Samstag dampft sie nach Luckau mit dem Nahgüterzug und Sonntag nach Mühlberg mit einem Sonderzug. Für mich war klar, da muß ich hin.

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Am Samstag Früh startete ich in Eilenburg beim reinsten „Sauwetter“. Es nieselte ständig und es wehte ein eiskalter Wind, aber ich wollte die alte „Lotte“ noch einmal in Aktion erleben. Der Personenzug nach Falkenberg war mit 211 025 bespannt. In Falkenberg hieß es dann Umsteigen, der Früh-Personenzug nach Beeskow stand schon bereit (ist nun auch schon Geschichte) und ab ging es. Wir wollten ab Uckro mit dem Nahgüterzug mitfahren, da wir es in Falkenberg nicht geschafft hätten zum oberen Bw zu kommen. In Uckro angekommen, musste erst einmal der Personenzug mit seiner 110 abgelichtet werden, außerdem gab es noch die gute alte „Länderbahn-V60“ 106 108, die in Uckro als Rangierlok auf Arbeit wartete. Ein Blick zum Himmel verhieß nichts gutes, denn der sah so dunkel aus, als ob er sich in Trauerzeugs geschmissen hätte um so die letzten Fahrten der 528120 passend zu begleiten. So gegen 9.15 Uhr kam dann der Nahgüterzug auf Gleis 2 in Uckro an.

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Der Zug bestand aus dem Vereinspackwagen – einem Daa, einem Gbs, mehreren „Emils“ und zwei Tadgs. Eigentlich war das nicht sehr viel und für Luckau war gar nichts dabei. Immer bemerkte man Ende 1991 schon stark den drastischen Verkehrsrückgang im Güterverkehr. Im Packwagen reisten 5 Vereinsfreunde aus Torgau, ich fuhr nun ab Uckro mit. Es wurde nur noch auf den Gegenzug aus Luckau gewartet, dann ging es los. Für Luckau ist zwar nichts dabei, aber zur Abschiedsfahrt musste man noch mal vorbeischauen. Mit einem kräftigen Pfiff stampfte 528120 los, allerdings kam sie schnell in Fahrt in lies sich schließlich rollen. Wir machten es uns inzwischen im warmen Packwagen gemütlich, hier war alles da was man so braucht – eine Koch-Ecke, ein Souvenirstand und eine bequeme Sitzecke. Als erstes wurde mal Kaffee gekocht, damit man sich wieder etwas aufheizte. Bis Luckau wurde durchgefahren.

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Hier begrüßte uns schon der Fahrdienstleiter und auch der Lokleiter kam angelaufen. 528120 setzte inzwischen um, nun konnten wir endlich vorwärts fahren. Irgendein Vereinsfreund aus Torgau wollte unbedingt der „8120“ , dass neue aktuelle EDV Schild verpassen – 052 120! Leider war man davon so begeistert, dass dieses Schild bis Uckro an der Rauchkammer hing. Die zwei Fotohalte wurden so ohne großer Anteilnahme hingenommen. In Uckro bekam 528120 was zu tun. Mehrere Wagen mussten abgesetzt werden. Jetzt waren noch 3 Güterwagen übrig, die nach Dahme gefahren werden müssen. Schließlich musste die Hauptbahn Berlin-Dresden überquert werden, um auf die Dahmer Seite des Bahnhofes Uckro zu kommen. Am ehm. Bahnhof Uckro-West wurde auf dem Abfahrtauftrag gewartet, die Strecke nach Dahme wird im Vereinfachten Nebenbahnbetrieb geführt und es existiert nicht ein Signal. Gegen 11.00 Uhr ging es los – mit einem großen Linksbogen schwenkte die Strecke vom Bhf. Uckro nach Westen ab. Die gesamte Strecke lag in Kiesbettung und passte so gar nicht zur großen 52er . Im Packwagen roch es inzwischen wie in einer Destille, denn es wurde Glühwein gekocht. Außerdem hatte ich schon vom „Heißdampf-Öl“ genascht, ei- nem regionalen Kräuterlikör aus Zinna. Da wir nun wieder Tender voran fuhren, haben wir nur an der einzigen Wegüberführung der Strecke einen Fotohalt durchgeführt. Ab dem ehm. Bahnhof Kemmlitz merkte man, daß der Oberbau nicht mehr viel Wert war, im Packwagen musste man sich regelrecht festhalten – die umherfliegenden Posterrollen und Fotoschachteln haben wir gar nicht mehr eingesammelt.

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Im einstigen Bahnhof Dahme empfingen uns schon ein paar Leute – wohl alles Bahnangestellte und deren Familie die was von dieser Aktion erfahren haben. Das Bahnhofsgebäude in Dahme ist ein wunderschöner Ziegelbau und sieht fast noch genauso aus, als die Uckro – Dahmer – Eisenbahn eröffnet wurde. Natürlich musste 528120 sich vor dem EG in Pose stellen. Dann wurde erst einmal „gehobelt“. Für die Rücktour war nur ein Expressgutwagen da und dieser sollte in Uckro abgesetzt werden. Im Packwagen wurden Würstchen gekocht und auch das Personal konnte sich stärken – natürlich bekamen die nur Tee und keinen Glühwein.

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Wir sprachen uns noch mit dem Lokpersonal ab, wo wir unsere Fotohalte gerne hätten und der großzügige Fahrplan ließ dies auch zu. Schließlich dampften wir gegen 12.30 Uhr ab und kurz hinter dem Bahnhof gab es den ersten Halt, denn hier war noch ein kleines Bahnhofsgebäude, was zur schmalspurigen JLKB gehörte. Im ehemaligen Bhf. Kemmlitz, der einzige Zwischenbahnhof mit einem größeren Empfangsgebäude, wartete schon ein Rentnerehepaar auf unseren Zug. Wir erfuhren, dass beide schon zu Privatbahnzeiten hier im Bahnhof tätig waren und auch hier wohnten. (Als ich 1995 die Strecke nach Dahme abgelaufen bin, war der Bahnhof Kemmlitz völlig verfallen und verlassen, wo mögen diese alten Leutchen jetzt wohnen?)

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Nach diesem Fotohalt gab es noch zwei weitere, bis wir wieder Uckro erreichten. Nun mussten wir wieder warten, bis man die Hauptbahn überqueren konnte und auf die Luckauer Seite kam. Hier nahm uns 106 108 den einzigen Güterwagen ab und wir warteten die Kreuzung mit dem Personenzug aus Falkenberg ab. Scheinbar hatte sich die Fahrt doch etwas herumgesprochen, denn inzwischen kamen zwei Eisenbahnfreunde aus Berlin an. Die stärkten sich nebenbei noch an den übrig gebliebenen Würsten und kosteten auch vom Glühwein, der bei diesem Wetter richtig wohl tat. Nachdem der Personenzug durch war, ging es los – für den Dampfer war es fast wie eine Lz Fahrt, denn mit einem Daa und mit nur 7 Mann Besatzung hatte 528120 nicht viel zu tun.

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Bis Schlieben fuhr ich auf der Maschine mit und musste zu meiner Überraschung erleben, dass das Personal recht flott und bestens gelaunt über diese Strecke fuhr. Man merkte nur je schneller die Maschine wurde, umso unruhiger wurde sie und ich versuchte mich irgendwo festzuhalten. Hinter mir hörte ich es nur auf dem Tender poltern, die Kohle rutsche bei dem rütteln nach. In Schlieben war Betriebshalt, denn der Zug musste vorgemeldet werden. Da wir ganz gut in der Zeit lagen, wurde ein Halt auf freier Strecke eingeplant. Für die am Sonntag stattfindende Abschiedstour Tour wurden noch Weihnachtsbäumchen gebraucht und diese wollten sich die Vereinsmitglieder gleich im Wald mitnehmen – wo sonst?

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Irgendwo zwischen Schlieben und Herzberg wurden wir fündig, wir blieben auf freier Strecke kurz stehen und nutzten dies als Fotohalt, während andere sich die Bäumchen am Bahndamm absägten. Nachdem alles verstaut war ging es weiter, 528120 rauschte mit den erlaubten Vmax dem Bahnhof Herzberg Stadt entgegen. Hier war wieder ein Betriebshalt eingeplant, denn der Zug musste in Falkenberg vorgemeldet werden.

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Nun kamen wir auf die Idee, das man die ehemalige strategische Verbindungskurve zur Jüterboger Strecke befahren könnte, denn hier war seit dem Bau dieser Strecke nie wieder ein Zug entlanggefahren. Natürlich war der Fahrdienstleiter in Falkenberg von dieser Idee nicht sonderlich begeistert, aber schließlich ließ er sich überreden und gab die Strecke frei. Damit waren wir wohl der einzige Zug überhaupt, der über diese Verbindung gefahren ist, allerdings war dies eine öde langweilige Strecke. Wir hatten an einer Straßenbrücke noch einmal einen Fotohalt, dann rauschten wir durch bis nach Falkenberg.

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Kaum waren wir im unteren Gbf. angekommen, gab es schon wieder freie Fahrt zum oberen Gbf . Zu DDR-Zeiten wäre dies kaum möglich gewesen, denn auf den Verbindungskurven herrschte Hochbetrieb. 528120 fuhr direkt ins obere Bw. Hier wurde sie noch für die morgige Fahrt vorbereitet, der eigentlichen Abschiedsfahrt mit Personenzug. Dieser fuhr dann voll Besetzt als „Elster-Elbe-Express“.

 

Am 13. 12. 1991 lief endgültig die Kesselfrist ab, da schlummerte die „8120“ schon ohne Schilder im Schuppen. Fast überraschend wurde sie 1992 an Bernd Falz verkauft und steht heute in Hermeskeil und träumt rostend von ihrer alten Heimat.

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Heute ist der ehemalige Eisenbahnknotenpunkt Falkenberg fast bedeutungslos geworden. Einzig im Reiseverkehr treffen sich noch zahlreiche Züge im Bahnhof. Doch diese haben dank der hier 3 auftreffenden Länderbestellungen, nicht immer die passenden Anschlüsse.

525679 und ein kleines Eisenbahnmuseum sind letzte Sachzeugen der Eisenbahnerstadt Falkenberg

(C) Thomas Nitsch 1993-2000

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