ex KBS 532 Pegau – Neukieritzsch

Auf eine 90jährige Geschichte kann die Bahnstrecke Pegau-Neukieritzsch zurückblicken. Nachdem die ersten Bahnlinien in Deutschland gebaut wurden und der Anschluss an die Eisenbahn einen wirtschaftlichen Aufschwung für die betreffenden Orte auslöste, wollten alle größeren Gemeinden ihren Eisenbahnanschluss haben.

Seit 1868 gab es Pläne der Thüringischen Eisenbahngesellschaft zum Bau einer Strecke Leipzig – Zwenkau – Pegau – Zeitz. Auf Betreiben Preußens wurde dann aber die Strecke am anderen Elsterufer geführt (Eröffnung Leipzig – Zeitz 1873). In Meuselwitz gab es Bestrebungen für eine Verbindung zwischen Breitingen und Pegau über Meuselwitz. Gebaut wurde die Linie Altenburg – Meuselwitz – Zeitz (Eröffnung 1872).

Das eingeschlossene Dreieck Leipzig-Altenburg-Zeitz war noch ohne Eisenbahnanbindung. Besonders Lucka bemühte sich (schon seit 1864) um einen Anschluss. Mehrere Projekte scheiterten. 1871 lag die Zustimmung der sächsischen und der altenburgischen Regierung vor und eine Aktiengesellschaft mit Sitz Leipzig wurde gegründet. Die Konzession wurde 1872 erteilt und der Bau konnte beginnen.

 

Kreuzung in Groitzsch

Am 19. September 1872 erfolgte der 1. Spatenstich zum Bau der Strecke im künftigen Bahnhof Groitzsch, am 15. 11. 1872 im Bahnhof Lucka. Die Bahn wurde als Vollbahn von der Baugesellschaft Plessner & Co errichtet. Wegen finanzieller Schwierigkeiten mit dieser Firma wurden während der Baudurchführung die Verträge gelöst und die Bahngesellschaft führte die Arbeiten selbst zu Ende.

Hochbetrieb im Bhf. Groitzsch – doch der Eindruck täuscht, denn Fahrgastzahlen gingen nach unten und die Zukunft der Bahnlinie war schon in Dresden besiegelt.

Erst als alle Bauarbeiten abgeschlossen waren, erfolgte die polizeiliche Abnahme und die Eröffnung wurde auf den 6. 9. 1874 festgelegt. Ein geschmückter Festzug mit der Lokomotive “Gaschwitz“ fuhr von Gaschwitz nach Meuselwitz. Auf allen Unterwegsbahnhöfen fanden Feierlichkeiten statt. Am 7. 9. begann der planmäßige Zugbetrieb mit 4 Personenzügen in beiden Richtungen. Die Betriebsdurchführung übernahm die Königlich-Sächsische Staatseisenbahn auf Rechnung der Bahngesellschaft. Die Fahrzeuge gehörten der Bahngesellschaft. Obwohl durch diese Strecke eine kürzere Verbindung nach Leipzig bestand, entsprach das Verkehrsaufkommen im Personenverkehr nicht den Erwartungen der Aktionäre. Haupteinnahmequelle war der Güterverkehr, insbesondere die Kohletransporte nach Leipzig.

Auf seinem eigenen Bahnsteig steht 772 130 abfahrbereit und wartet nur noch auf Fahrgäste aus Gera, die mit dem RE ankommen.

Nicht nur in Pegau endeten die Züge zu DR Zeiten, es gab auch eine Verbindungskurve in Richtung Leipzig und da fuhren die Züge durch bis nach Leipzig-Plagwitz. Für den Fahrgast eine angenehme Verbindung und für die Strecke bedeutete dies mehr Fahrgäste.

Zur Verringerung der Betriebsausgaben wurde am 15. 5. 1879 der Sekundärbahnbetrieb eingeführt. Daraufhin stiegen die Dividenden. Im Jahre 1884 unterbreitete der sächsische Staat der Bahngesellschaft ein Kaufangebot. Die Aktionäre lehnten ab. Da griff der Staat zu einer ungewöhnlichen Maßnahme. Er ließ ein Projekt für eine Bahnlinie Meuselwitz-Kieritzsch ausarbeiten und veröffentlichen. Sofort sanken die Aktienpreise rapide. Nunmehr wollten die Aktionäre die Bahn abstoßen und boten sie dem Staat zum Kauf an. Die Verstaatlichung erfolgte mit Wirkung vom 1. 1. 1886. Der Kaufpreis belief sich auf 3,8 Mio Mark.

Abfahrbereit in Pegau….

1884 stellte der Stadtrat von Zwenkau eine Petition an die Kgl.-Sächsische Staatseisenbahn zur Herstellung einer Direktverbindung nach Leipzig ohne Umsteigen in Gaschwitz. Erst nach der Verstaatlichung wurde dieser Wunsch verwirklicht und die Zahl der Personenzüge auf 6 in jeder Richtung erhöht.

Nun gehts Mintgrün nach Neukieritzsch. Hier steht 972 519 mit seiner Nase voran.

In den Folgejahren gab es mehrfach Umbauten und Erweiterungen der Anlagen auf den Bahnhöfen wegen des gestiegenen Verkehrs. Auch wurden Privatanschlussgleise zu Fabriken und Kohlegruben errichtet. Im Sommer 1913 fuhren 9 Reisezugpaare auf der Gesamtstrecke ab Leipzig Bayerischer Bahnhof. Zusätzlich verkehrten an den Wochenenden Ausflugszüge nach Zwenkau. Nach dem Zusammenschluss der Länderbahnen zur Deutschen Reichsbahn verblieb die Strecke zunächst bei der Reichsbahndirektion Dresden, wechselte aber 1936 zur Direktion Halle.

 Dominierend blieb der Güterverkehr. Beide Weltkriege überstand die Bahn unbeschadet. Veränderungen kündigten sich erst in den fünfziger Jahren an. Der Braunkohlenbergbau wurde extensiv erweitert. Die Harth mit dem Streckenabschnitt Gaschwitz – Zwenkau wurde überbaggert. Doch mussten erst einige Voraussetzungen für die Streckenunterbrechung geschaffen werden. Die 1909 eröffnete Strecke Neukieritzsch – Pegau war 1948 als Reparationsleistung teilweise abgebaut worden. 1956 begann der Wiederaufbau. Gleichzeitig entstand eine neue Verbindungskurve von Pegau-Ost zur Abzweigstelle Zauschwitz in Richtung Leipzig.

Auf einigen Bahnhöfen kam die neueste Sicherungstechnik zum Einsatz. Mit der Inbetriebnahme beider Strecken am 14. 1. 1957 wurde gleichzeitig der Abschnitt Gaschwitz – Zwenkau gesperrt. Die Reisezüge fuhren jetzt von Neukieritzsch über Groitzsch nach Zwenkau und von Pegau über Groitzsch nach Meuselwitz. Dieser Zustand dauerte bis zum 22. 5. 1966. Dann übernahm der werkseigene Busverkehr des Kombinates Böhlen die Personenbeförderung zwischen Zwenkau und Groitzsch, der Personenverkehr auf der Eisenbahn wurde eingestellt.

1975 war der Braunkohlenabbau im Tagebau Neuaufschluss Groitzscher Dreieck soweit vorangeschritten, daß der Streckenabschnitt Käferhain – Lucka überbaggert wurde. Der Zugbetrieb zwischen Groitzsch und Lucka wurde eingestellt, die Reststrecke Lucka – Meuselwitz diente nur noch dem Güterverkehr. In Zwenkau entstand inzwischen eine Kohleverladeanlage. Eine Anschlussbahn verband die Verladestelle Pulgar der Werkbahn mit dem Bahnhof Zwenkau.

Aus besseren Zeiten zeugen noch die 3 Bahnsteige und der größzügige Bahnhof

Na wie lange wird wohl der Zaun noch halten?

In Käferhain wurde das stillgelegte Streckengleis als Anschlußbahn des Baggermontageplatzes Groitzscher Dreieck benutzt. Beide Anschlußbahnen wurden mit dem drastischen Rückgang der Braunkohleförderung nach der politischen Wende in der DDR überflüssig und alsbald stillgelegt. Damit hatte der Abschnitt Zwenkau – Groitzsch auch den Güterverkehr verloren. Zum 30. 9. 1998 ist der Betrieb für dauernd eingestellt. Auch der Streckenabschnitt Lucka – Meuselwitz mit seinen Anschlußbahnen, inzwischen als Streckenrangierbezirk betrieben, verlor nach der Wende den Güterverkehr und ist stillgelegt. Im Bahnhof Meuselwitz wurde 2001 die Groitzscher Bahnhofseite durch die Kohlebahn übernommen und auch die Ausfahrt bis zur Kohlebahn in 900 mm umgespurt. Damit bleibt ein Teil der Trasse in Nutzung.

Einst war der Bhf. Groitzsch ein kleiner Eisenbahnknoten. Hier traf die Strecke Neukieritzsch-Pegau auf die Strecke Gaschwitz-Meuselwitz, von letztere gibt es nur noch den Rest nach Zwenkau, zur ehm. Kohleverladung.

Eigentlich war diese Strecke als Musterstrecke im SPNV Plan des Landes Sachsen vorgesehen. Doch sie gehörte mit zu den ersten Strecken in Sachsen, die einer Stilllegungswelle 1997 zum Opfer fiel. das liegt auch daran, dass die Anschlüsse zu den Hauptbahnen nicht immer sehr günstig lagen und auch an der Tatsache, dass die Strecken Vmax auf 30 in vielen Abschnitten heruntergesetzt werden musste. Die zahlreichen schweren Kohlezüge hatten den Gleisen arg zugesetzt und somit wurde eine Bahnfahrt in Verbindung mit den gestiegenen Fahrpreisen, unattraktiv.

Vor allem fehlten der Bahn in den letzten Jahren ihres Bestehen die Pendler zu ihren Arbeitsstätten. Denn die umliegende Industrie befand sich in Abwicklung und auch der Braunkohlebergbau wurde stark nach unten gefahren.

772 127 mit N7285 in Pödelwitz 9/ 96

772 154 mit RB7287 am 31.3.95 bei Großstolpen

Der Bhf Groitzsch war sozusagen das Zentrum dieser Strecke. Hier zweigte die Strecke nach Zwenkau ab, wo die Kohlezüge beladen wurden. Sie ist ein Rudiment, der Strecke Gaschwitz – Groitzsch – Meuselwitz, welche durch die Tagebauerweiterungen, stillgelegt werden musste.

Mit der Einstellung des Personenverkehr, kam auch bald die Einstellung des Güterverkehr. Die MIBRAG hatte die Kohleförderung auf den benachbarten Tagebau Profen verlegt und damit waren auch die Kohlezüge hier Geschichte.

772 130/ 972 727 mit N7294 am 30.5.97 in Pödelwitz. Sehr angenehm waren alle Stationsgebäude, sie wirkten recht modern.

628 608 mit N7291 am 24.01. (mein Geburtstag) 1995, bei Groitzsch. Es war der einzige bekannte 628 Einsatz hier.

772 130 mit N7289 am 31.05.1997 in Groitsch

Er war der letzte – 772 130 und dann war Schluss

Seitdem Ende der letzten Zugfahrten, ist der Verfall überall zu erkennen und es scheint endgültig zu sein, dass hier die letzte Zug abgefahren ist……..

So schaut der Bahnhof im Jahr 2002 aus, der Tod schleicht über die Gleise – denn hier wird nie wieder etwas fahren.

Fotos: Thomas Nitsch; Stephan Zimmermann; Thomas Wünsch

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s