Offener Brief der Privatbahnen an den GDL Vorsitzenden

Unterschriftenliste Offener Brief

Sehr geehrter Herr Weselsky, zum wiederholten Male hat Ihre Gewerkschaft die privaten Konkurrenten der Deutschen Bahn AG bestreikt, um über die Beeinträchtigung unserer Fahrgäste Druck auf die Unternehmen auszuüben. Die privaten Bahnunternehmen haben der GDL ihre Verhandlungsbereitschaft mehrfach signalisiert. Ihre Reaktion erfolgte entweder überhaupt nicht oder mit einer Bausch-und-Bogen-Ablehnung, in der Sie alle Vorschläge als substanzlos abwerten. Statt im Interesse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Unternehmen eine Lösung am Verhandlungstisch zu suchen, kennen Sie nur Streik.

Offensichtlich geht es bei Ihnen nicht um Verhandlungen, sondern um ein politisches Machtspiel. Sie haben nur ein Ziel – den Bundesrahmen-Lokomotivführer-Tarifvertrag und über diesen Weg den Alleinvertretungsanspruch der GDL für die gesamte Berufsgruppe der Lokomotiv- und Triebfahrzeugführer. Diese Strategie wird auch an dem Verhalten der GDL in den letzten Monaten deutlich:

• Die GDL hat von vornherein gemeinsame Verhandlungen mit der Deutschen Bahn, den Privatbahnen und der EVG abgelehnt.

• Die GDL hat in den getrennten Verhandlungen jeden Kompromiss von vornherein kategorisch abgelehnt.

• Die GDL hat sich der Schlichtung – trotz wiederholter Aufforderung durch den Schlichter und die anderen Tarifvertragsparteien – entzogen.

• Die Strategie der GDL besteht darin – und dies nicht zum ersten Mal –, einen Tarifabschluss mit der anderen größeren Gewerkschaft abzuwarten, um die Ergebnisse zu toppen und dadurch sich als „bessere“ Gewerkschaft darzustellen.

Der von Ihnen ohne jegliche Kompromisslinie geforderte BuRa-LfTV für alle privaten Bahnen bedeutet eine zwangsweise Einbeziehung aller Triebfahrzeugführer in den Machtbereich der GDL und damit die Abschaffung der – von Ihnen selbst immer wieder vehement geforderten – Tarifautonomie und einen Angriff auf die grundgesetzlich geschützte Koalitionsfreiheit. Für unsere mittelständisch operierenden Unternehmen bedeutet eine Zustimmung von unserer Seite die Spaltung unserer Belegschaft in zwei Klassen. Einer solchen Spaltung werden wir nicht zustimmen. Das Überstülpen aller Regelungen, die beim ehemaligen Monopolisten der DB AG gelten und aus der Zeit der Beamtenbundesbahn stammen, ist nicht nur realitätsfern. Sie sind ein Angriff auf die heutigen Angebotsleistungen des Schienenpersonennahverkehrs und damit auf die Arbeitsplätze gerade in strukturschwachen Regionen. Mit dem Beharren auf Ihren Forderungen gefährden Sie die Erfolge des Wettbewerbs für Fahrgäste, Steuerzahler und Mitarbeiter in dieser Branche. Und seitdem der Branchentarifvertrag SPNV mit der EVG abgeschlossen ist, der eine Angleichung der Entgelte in allen Unternehmen auf mindestens 93,75 Prozent des Niveaus im DB-Konzern vorsieht, trägt auch Ihre Drohkulisse eines Wettbewerbs auf dem Rücken der Belegschaft nicht mehr, sondern wird zur populistischen Plattitüde.

Sehr geehrter Herr Weselsky, wir fordern Sie auf, die Interessen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ihre politischen Machtspiele zu stellen und mit den Unternehmen, die jetzt erneut auf Sie zugehen werden, eine Lösung zu suchen. Mit Befremden haben wir auch zur Kenntnis genommen, dass die GDL massiv Druck auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausübt, um sie zu einer Streikbeteiligung zu „verpflichten“. Wir fordern Sie auf, es uns gleich zu tun und die Belegschaften frei entscheiden zu lassen, ob sie an Arbeitskampfmaßnahmen teilnehmen wollen.

Wir hoffen, dass sich die Einsicht bei Ihnen einstellt, dass es auch der GDL nicht vollkommen egal sein kann, wie wir in Deutschland das Gemeinwohl im Auge behalten und schützen müssen. Nehmen Sie, wie alle anderen Gewerkschaften in Deutschland, Ihre Verantwortung wahr, die Tarifpolitik nicht für machtpolitische Spiele zu missbrauchen (Pressemeldung Länderbahn, 04.03.11).

KOMMENTAR:__________________________________________

Wenn ich als Fahrgastvertreter nicht selbst versucht hätte mit der GDL Kontakt aufzunehmen, könnte man den Argumenten der Gewerkschaft glauben schenken. Doch die Bitte vonm Fahrgastvertretern – erst wirklich das letzte am Verhandlungstisch herauszuholen und dann einen Arbeitskampf, welcher dennoch die Fahrgäste nicht zu sehr geiselt und z.B. die S-Bahn in Berlin wegen der großen Problem auszunehmen, wurde mit Beschimpfungen und der Ablehnung weiterer Gespräche protokolliert. Vor allem Herr Nachtigall des GDL Bezirk Berlin war hier sichtlich nervös und cholerisch.

Man darf also keiner anderen Meinung sein und muss sich dann die Halbwahrheiten der GDL Führung über sich ergehen lassen. Damit verspielt eine Gewerkschaft das Vertrauen. Vor allem wenn man mehrere Tage den Verkehr lahm legt und sich nicht kümmert, wie Fahrgäste zu Ihrer Arbeit, Schule oder sonstigen ziele kommen. Damit wird das Streikrecht missbraucht, da nirgendwo anders der Schaden direkt beim Bahnkunden ankommt (ähnlich Piloten und Fluglotsen).

Streik ist ein wichtiges Element der Kultur des Arbeitskampfes, aber die GDL setzte sofort auf Streik und zeigte sich nicht verhandlungsbereit. Das kennen viele noch aus dem Jahr 2007 – vor allem als der damalige GDL Vorsitzende noch zur Kur fuhr und alle Verhandliungen auf Eis lagen.

Der GDL würde es gut tun, wenn man über das Projekt Gleichmacherei neu nachdenkt. Es ist und bleibt nonsens, wenn Mitarbeiter vom Autobauer aus Ingolstadt und München jetzt genau den gleichen Lohn erhalten sollen, wie die Schrauber in Rüsselsheim und Köln. Scherlich wäre dies erstrebenswert, im realen Leben ist man jedoch weit davon entfernt, das so etwas umsetzbar ist. Gleiches gilt für Wettbewerb. Der Wettbewerb auf der Schiene tut dem SPNV gut. Denn längst hat die DB regio vergessen, dass Zugbegliter abgeschafft werden sollten, dass man Fahrausweise im Zug nicht lösen kann und das man nicht am Catering interessiert war.

Die GDL denkt nicht mehr zeitgemäß und sollte doch mehr auch an die betroffenen Fahrgäste denken.

Vielen Dank – Das Fahrgastaktiv

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Bahn und ÖPNV Freak aus Brandenburg

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