Auf nach Brandenburg………..eine Fototour im Jahr 1987

Wir (Bernd Sachse und Thomas Nitsch) hatten vor, im August 1987 mal wieder eine Tour zu machen, die wahl viel auf  Brandenburg. Da auch hier sich der Dampflokeinsatz dem Ende zuneigte, war dies ein interessantes Ziel. Wie fast immer sollte es 5.56 Uhr ab Eilenburg-Ost mit dem P6970 nach Leipzig gehen.
Am 6.August, einem Donnerstag, war es dann soweit und die Fahrt konnte losgehen. Es schien ein herrlicher  Sommertag zu werden. Am Horizont, lugte die Sonne schon rotglühend herauf. Als wir nun zum Bhf. Eilenburg-Ost gingen, trauten wir unseren Augen nicht, denn über dem backsteinernden Empfangsgebäude hing eine dunkle Rauchfahne.
Trotzdem konnten wir noch an keinen Dampflokeinsatz glauben, da die EST Eilenburg ihre 528120 schon Ende Mai verabschiedete und die Engelsdorfer  gegen 7.30 den N66622 an den Haken nehmen werden. Doch als wir den Bahnhof erreichten, war die Überraschung groß. Statt einer 132 stand heute die Engelsdorfer 528077 vor dem P6970 bereit. Zack war die Kamera ausgepackt und es wurde erst einmal gründlich geknipst, so dass wir beinahe vergaßen, unsere Fahrkarten zu holen. Der Meister auf der Maschine war ein älterer „Engelsdorfer“ den wir nur als „Spitzmaus“ kannten. Obwohl der Zug nicht übervoll war, blieben wir gleich Vorraum hinter der Lok und genossen die herrlichen Klänge der „8077“ bei der Anfahrt.
Mit kräftigen  Auspuffschlägen ging es dann auch aus Eilenburg-Ost heraus, dabei verlierte sich das stampfen schnell in ein lustloses „schnüffeln“, da ja nur  5 min Fahrzeit bis zum Bhf. Eilenburg zu bewältigen waren.
Hier wurde der Zug merklich voller, der P6970 war ein wichtiger Pendlerzug nach Leipzig und bestand aus 10 Bghwe. Während der Fahrt ärgerten wir uns, dass wir nicht an der Strecke stehen und diese morgendliche Dampfleistung auf den Film bannen können. Wir überlegten, ob evtl. Ein Unterwegshalt kurz zum fotografieren genutzt werden könnte, doch die halte waren zu kurz, außerdem hatte unser Zug schon 10 Minuten Verspätung. Doch der Drang nach einem Foto war so groß, daß wir uns einig waren, wenigstens am Hp. Leipzig-Heiterblick (sonst Zugkreuzung) ein Foto zu schießen. Der Zug rollte in Heiterblick ein, die Taschen ließen wir im Vorraum und die Tür sollte offen bleiben. Wir sprangen aus dem Wagen heraus und sprinteten vor zur Lok. Dort wurde kräftig der Auslöser gedrückt und dann sprinteten wir zu unseren Wagen.
Doch zu gleichen Zeit hatte der Zugbegleiter schon gepfiffen und der Zug rollte mit unseren Taschen los. Irgend so ein „Blödmann“ hatte die Tür geschlossen uns so versuchten wir ,auf den langsam anfahrenden Zug noch aufzuspringen. Ja ich weiß, dass ist sehr gefährlich. Freund Sachse hatte auch als erster den Griff der Tür ergattert, ließ mir aber keinen Platz auf dem Trittbrett, aber zum Glück war der Bahnsteig lang und wir haben es doch noch geschafft in den Zug zu kommen.
Mit ca.15 min Verspätung rollte 528077 in den Leipziger Hbf ein und am Bahnsteig   8a, war die Dampfreise zu Ende. Wir haben schnell noch ein paar Fotos geschossen und ab gings in den Magdeburger D-Zug.
Als wir mit dem D-Zug wiedermal mit 30 Minuten Verspätung in Magdeburg eintrafen, war leider der Anschlusszug nach Brandenburg weg. Erst in einer guten Stunde soll ein Personenzug nach  Genthin  losgehen, nach  Brandenburg rollt erst einmal bis Mittag überhaupt nichts. Um die Wartezeit zu überbrücken, ging nun n die Magdeburger Mitropa, hier konnten wir uns stärken und Kaffee trinken.
Da Bernd sein drittes Kännchen Kaffee nicht rechtzeitig leer bekam, hätten wir unseren nächsten Zug auch bald noch verpasst. Und dann ging es aber nach Genthin, Während  wir mit dem Personenzug in Richtung Genthin rollen, kommt uns bei Burg die 528172 entgegengedampft und man hätte sich gewünscht jetzt das Ding vor die Kamera zu bekommen, aber nein, wir saßen ja im Zug und fuhren in die andere Richtung. Doch unserer Freude war groß, als wir in Genthin eine 52er sahen. Die 528156 wartete schon auf ihre Ausfahrt. Nachdem wir den rostigen „Eimer“ abgelichtet hatten, hieß es dann noch zwei Stunden warten. Darauf hatten wir keine Lust. Irgendwie kamen wir auf die Idee, in Richtung Kade Haltepunkt zu laufen – ist wohl nicht mehr so weit. Wir tippelten los, durch die Stadt und über den Kanal, bis wir zum Ortsausgangsschild kamen, doch nirgends ein Hinweis, wo der Hp liegt. Da wir aber aus dem Buch „Reisen mit der Dampfbahn“ den malerischen Haltepunkt KADE kannten und diesen unbedingt sehen wollten, entschieden wir durch den Wald diesen entgegenzugehen.
Doch der Weg nahm kein Ende. Der Waldweg war ziemlich aufgeweicht und matschig. Nachdem wir wohl schon 3 Kilometer gelaufen waren, trafen wir ein paar Holzfäller um nach dem Weg zu fragen. Die erklärten diesen auch, nur richtig durchgeblickt hatte keiner von uns. Wir gingen und gingen und kamen nirgends zum Haltepunkt.Kade. (Heute wissen wir, daß wir kurz vor Kade umgedreht sind)
Es ging nun schnell zurück nach Genthin. Langsam  schmerzten  auch  die Füße denn einige Kilometer  hatten  wir  schon zurückgelegt. Wir liefen das letzte Stück zum Bahnhof am Streckengleis entlang und uns entschädigte die super gepflegte 528184, die mit einem Ganzzug die Strecke in Richtung Brandenburg entlang donnerte.
Jetzt kam auch unser Personenzug nach Brandenburg. Die 118 hatte einen herrlichen  Dbg am Haken. Wie üblich fehlten überall die Kurbeln an den Fenstern. Doch wir suchten und fand auch ein Fenster, was geöffnet werden konnte.
Die Fahrt nach Brandenburg war fand Bernd recht lustig. Erst fand er solche Bahnhofsnamen wie Kirchmöser amüsant und dann begann er aus der WOCHENPOST die Heiratsanzeigen und Bekanntschaften laut vorzulesen (die WP war eine der wenigen Zeitschriften, wo man so viele Anzeigen aufgeben konnte). Natürlich sollte ich mich dann immer für die ältesten Damen interessieren. Das gefiel wiederum einigen älteren Mitreisenden überhaupt nicht und manche schüttelten sogar den Kopf.
Nun endlich sind wir in Brandenburg angekommen. Natürlich schauten wir gleich in das Bw. Hier standen einige 118er herum, die war kaum beachteten. Dafür waren 528184 und 528171 viel interessanter. 528137 stand am Kohlebansen, allerdings schon z-gestellt. Sonst war hier nicht viel los. Die anderen 3 Planloks (528135, 528156 und 528172) waren ausgeflogen. Wir entschlossen uns deshalb, mal in die ESt Altstadt zu schauen. Hier waren die kaputten und abgestellten Fahrzeuge des Bw zu finden. Aber auch hier sah der Fahrplan, keinen günstigen Anschluss vor.
Wir überlegten kurz und kamen auf die Idee mit der Straßenbahn nach Altstadt zu fahren. Wir erkundigten uns, wo man Fahrscheine erwerben kann und eine freundliche Dame schenkte uns zwei Fahrkarten. Da gerade eine Tram einfuhr, enterten wir diese und rumpelten mit dem „Gotha-Zug“ los. Nun denn, wir  rumpelten und rumpelten im wahrsten Sinne des Wortes und wussten nicht so recht, wo wir nun eigentlich aussteigen sollten. Leider war an keiner der Haltestellen eine Bezeichnung, wo man sich gerade befand. Wir versuchten zwar den richtigen Halt abzupassen, doch auf einmal waren wir schon auf der Brücke über den Altstädter Bahnhof.  Und die nächste Station war ewig weit weg und so fuhren wir eine „Ehrenrunde“ und kamen am Hauptbahnhof wieder an. Wir blieben gleich sitzen und machten nun unsere zweite Runde und diesmal wurde besser aufgepaßt.
Allerdings waren wir eine Station zu früh ausgestiegen,  aber wir waren in Brandenburg-Altstadt. Das Bw Altstadt war mehr oder weniger die Werkstatt  des Bw Brandenburg. Die relativ kleinen Anlagen ließen vermuten, daß diese noch zur Städtebahnzeiten errichtet wurden. Hier wurden alle Fristarbeiten erledigt und alles abgestellt, was im z-park war, oder nur noch dem Schneidbrenner als Futter dienen konnte. Niemand war zu sehen und so betraten wir wie „Strauchdiebe“ das Bw Gelände. Als  erstes  fiel  528074  auf, die ohne Tender und ohne Puffer einen traurigen Eindruck hinterließ. Ein Teil der Pufferbohle abgeschnitten. Aber es war noch mehr zu sehen. Neben einem alten dreiachsigen Schneepflug und interessanten Vorkriegswagen, standen an der Drehscheibe, 528161 und 528158 abgestellt. Als Heizlok, aber kalt abgestellt war 528180. 52 8181 stand direkt am Schuppen neben einer 118. Die 118er kamen aber eher nur aus Zufall auf den Film, sonst hatten wir uns nicht für diese Maschinen interessiert. Da unsere Fotoaktion sehr schnell ablief und wir gern noch Fotos in Ruhe geschossen hätten, wollten wir uns nun beim Lokleiter offiziell anmelden. Da man aber aus Erfahrung wusste, Fragen ist zwar gut – aber im Bilder im Kasten zu haben ist besser, fragten wir eben jetzt erst.
Als wir endlich diesen Mann fanden und unseren Wunsch zutragen. schrie er los – dass man denken konnte – das die Bude, die sich Lokleitung nannte in jedem Moment zusammenfallen musste. Wir bösen Menschen haben das Schild „Betreten Verboten“ nicht beachtet und hier hätten nur diensthabende Eisenbahner Zutritt. Wir amüsierten uns über diesen Vorfall und gingen mit vollen Filmen von dannen, denn wir hatten ja unsere Ausbeute.
Wir bekamen noch einen Dampfzug zu sehen und dann traten wir den Rückweg an. Nun sollte es noch nach Eilsleben gehen. Dort wurde zwar nicht mehr planmäßig mit Dampf gefahren, aber es waren Heizloks im Einsatz und noch mehrere Maschinen abgestellt, u.a. auch eine 41, die schon längere Zeit in Oebisfelde als Heizlok eingesetzt war.
Ab Magdeburg ging es mit einer Dbv-Einheit und einer 110 in Richtung Oebisfelde. Unterwegs stieg einer zu, der wohl zu tief ins Glas geschaut hatte. Er fing an zu singen und redete immerzu mit den Fahrgästen, wobei man nichts verstehen konnte. Dann stand der Typ im großen Vorraum der Einheit und es fing an zu plätschern. Bernd hatte sich bald kaputt gelacht, dass dieser Typ mitten in den Wagen pinkelte.
Wir stiegen schließlich in Eilsleben aus und mussten erst einmal sehen, wie man am günstigsten ins Bw kommt.
Im Süden der Bahnhofsanlagen zog sich der Weg zum Bw entlang. Dieser streckte sich ganz schön und wir vermuten, daß man schon ca. 20 Minuten Fußweg zurücklegt. Im Bw angekommen, fanden wir von der 411062 nur noch einen Trümmerhaufen vor, diese war nur Tage zuvor zerschnitten worden. Interessant war, dass noch das Schild an den Führerhausresten hing. Bernd versuchte mit seinem Werkzeug, das Schild abzuschrauben. Die Schrauben bekam er ab, aber das Schild blieb. Es war an mehreren Stellen mit dem Führerhaus verschweißt und das wäre uns wohl ein wenig zu schwer geworden.
528076 sonnte sich im Abendlicht, doch ihr sah man an, dass sie schon lange nicht mehr im Einsatz war. Noch schlimmer sah 528159 aus, bei ihr war das gesamte Führerhaus ausgebrannt und seitdem steht die Brandenburger Maschine hier auf dem Schrottgleis. Auf den Abstellgleisen standen weitere 50er und 52er abgestellt. Am Schuppen stand dagegen 651049 unter Dampf. Sie war die Ersatzheizlok für die 503626. Die 65er bewegte sich nur zum Ausschlacken und Kohle aufnehmen.
Die 503626 wurde gerade zum auswaschen kalt gemacht. Sie war die einzige Reko 50 mit Altbau-52er Sandkästen.
Hier trafen wir auch auf den Lokleiter. Er lud uns zu einer Tasse Kaffee ein (ganz anders als in Brandenburg). Wir erzählten von alten Planzeiten und vom Dampf und vieles mehr.
Irgendwann drängelte Thomas, dass wir zurück zum Bahnhof müssen. Unser letzter Schnellzug von Magdeburg nach Leipzig fuhr gegen 22.30 Uhr.
Also Kaffee austrinken und verabschieden. Wir gingen nun etwas schneller, denn die Zeit schien etwas knapp zu werden. Auf dem halben Weg zum Personenbahnhof fiel Bernd auf, dass er seine Kamera in der Lokleitung vergessen hatte. Er sprintete nun noch einmal den Weg zurück, ich lief dagegen weiter in Richtung Personenbahnhof. 
Jetzt sah ich den Zug schon in Eilsleben einrollen. Bernd lief quer über die Gütergleise und auch ich kürzte ab. Im Zug angekommen, fehlte uns beiden erst einmal der Atem. Doch wir hatten nicht daran gedacht, dass auf diesen Grenznahen Strecken, die Trapo mitfährt.
Und ehe man sich versah, waren die dunkelblau gekleideten Herren auch schon bei uns. Wir konnten ja kaum erzählen, dass wir im Bw fotografiert und Kaffee getrunken hatten. Allerdings machten wir deutlich, dass wir in Leipzig unbedingt den D-Zug nach Leipzig bekommen müssen, sonst schaffen wir es nicht mehr nach Eilenburg. Wir wurden ordnungsgemäß belehrt, dass wir die Bahngleise nicht betreten dürfen und stimmten dem auch zu und wollten es nie wieder tun. Es war schon ein Wunder, dass wir keine Strafe zahlen mussten.
In Magdeburg erreichten wir auch unseren Schnellzug. Damit dachten wir, wird unser erlebnisreicher Tag zu ende gehen. Bis Köthen rollten wir auch im Plan. Doch kurz vor Halle lief nichts mehr. Nach ca. 60 Minuten im letzten Bahnhof vor Halle erfuhren wir, dass ein Güterzug entgleist war und größeren Schaden angerichtet hat. Inzwischen wurde es im Zug unruhig.
In unseren Wagen waren dagegen Lehrlinge auf Klassenfahrt, die uns zu einer Runde Bier einluden. Und es wurde noch richtig gemütlich.
Nach ca. 2 ½ Stunden Verspätung setzte sich der Zug in Bewegung. Mit einem ungewöhnlichen Abstecher über den Güterbahnhof Halle, ging es ohne Halt bis nach Leipzig weiter. Die Fahrgäste die nach Halle wollten, mussten in Leipzig einen Personenzug nach Halle nehmen.
Wir erreichten nur noch den Nacht Eilzug nach Cottbus, der nur in Eilenburg Stadt hielt. Aber wir waren froh, daß als wir wieder zuhause ankamen.
An diese ungewöhnliche Tour erinnern uns heute noch die Fotos und jetzt diese kleine Geschichte.
© 1998-2004 Bernd Sachse/ Thomas Nitsch
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