Abbestellungen, Preiserhöhungen im Vogtland

Sachsen: ÖPNV-Finanzkonzept für 2011 und 2012 erhält Zustimmung
Für den öffentlichen Personennahverkehr im Vogtland stehen 2011 insgesamt 42,5 Millionen Euro und 2012 dann 41,7 Millionen Euro zur Verfügung. Das sind in diesem Jahr 2,2 Millionen und im kommenden Jahr dann 3 Millionen weniger als 2010. Das sieht das Finanzkonzept des Zweckverbandes Öffentlicher Personennahverkehr Vogtland (ÖPNV) vor, dem der Verbandsrat am Mittwoch (02.02.2011) zugestimmt hat. Mit diesen Eckpunkten wird nun die Haushaltssatzung erarbeitet.
Die Kürzung ist ein Ergebnis des sächsischen Landeshaushaltes, welcher in die überarbeitete und ab 01. Januar 2011 bis 2014 gültige ÖPNV-Finanzierungsverordnung des Freistaats Sachsen eingeflossen ist. Danach erhalten die Zweckverbände in diesem Haushaltjahr 6 Prozent und ab dem Haushaltjahr 2012 jährlich 8,5 Prozent weniger Zuschüsse. Für 2011 heißt dies konkret, dass im Vogtland für den Personennahverkehr auf der Schiene nur noch 30,3 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Eine Reduzierung der Leistungen durch den ÖPNV ist die Folge. Dass derzeit nicht noch mehr gestrichen werden muss, hängt damit zusammen, dass der ÖPNV ab diesem Jahr für die Nutzung der Schienen und Halte auf Bahnhöfen weniger an die Infrastrukturunternehmen der Deutschen Bahn zahlen muss.
Für die Schülerbeförderung stehen in diesem Jahr knapp 4,6 Millionen Euro bereit, für Ausbildungsverkehre 1,3 Millionen. Die Investitionsmaßnahmen wurden reduziert. Trotzdem enthält der Finanzierungsplan eine Reihe von Maßnahmen, um die Qualität des Nahverkehrs weiter zu verbessern. Erneuert werden soll die Software des 1996 eingeführten Systems für Fahrplan- und Fahrpreisauskunft, Fahrscheinverkauf in Bussen und Anzeigetechnik an Verknüpfungsstellen.
Ab 1. März 2011 wird es weitere Leistungsreduzierungen im Zugverkehr im Vogtland geben. Schuld daran sind die durch den Freistaat gekürzten Regionalisierungsmittel für den Nahverkehr. Betroffen sind zwei Linien: So wird für die Linie RB 103 Gera – Mehltheuer, Abschnitt Landesgrenze Thüringen/Sachsen kein Zug mehr bestellt. Zum einen rechtfertigt die geringe Nachfrage die Einstellung des Betriebs, zum anderen können Busse auf der Linie V 4 Zeulenroda – Mehltheuer – Plauen sowie Züge der VB 5 Mehltheuer – Plauen genutzt werden.
Zum zweiten wird auf dem Abschnitt Adorf – Zwotental der Linie VB 5 Adorf – Falkenstein – Plauen – Hof der gesamte Zugverkehr Montags bis Freitags durch Busse ersetzt.
Zug-, Straßenbahn- und Busunternehmer erhöhen ab 1. August im Vogtland die Fahrpreise um durch-schnittlich 7,8 Prozent. Ein wesentlicher Grund für die Preiserhöhung sind die geringeren Zuschüsse des Landes für den Nahverkehr. Darüber hinaus nehmen die Unternehmen durch die rückläufige demogra-fische Entwicklung im Vogtland weniger Fahrgeld ein. Gleichzeitig steigen die Kosten für Fahrstrom, Dieselkraftstoff und Energie, Personal durch den Abschluss neuer Tarifverträge, Instandhaltung und Investitionen, um die Sicherheit zu gewährleisten und Qualität zu sichern. Außerdem wurden durch die Landesregierung die Zuschüsse für Businvestitionen weitgehend gestrichen.
Die Bedürfnisse der derzeitigen und potentiellen Zug-, Straßenbahn- und Buskunden im Vogtland sollen in einer Mobilitätsstudie ermittelt werden. Untersucht werden sollen unter anderem die generelle Nutzung der Nahverkehrsmittel sowie die Zufriedenheit mit diesen. 3.000 Personen, sowohl ständige Fahrgäste als auch derzeitige Nicht-Nutzer, sollen dazu im Vogtland telefonisch befragt werden. Aufbauend auf den Erkenntnissen soll das zukünftige ÖPNV-Angebot gestaltet werden. Vorbehaltlich der Genehmigung des Haushalts soll die Studie ausgeschrieben und im Frühsommer durchgeführt werden.
Die Arbeit im Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Vogtland (ÖPNV) und in der Verkehrs-verbund Vogtland GmbH (VVV) wird langfristig ausgerichtet. Entsprechend dem in der Diskussion befindlichen Konzept Vogtland 2020 des Landkreises wird dazu eine Strategie für die nächsten Jahre erstellt. Dafür hat die Verbandsversammlung des Zweckverbandes Öffentlicher Personennahverkehr Vogtland (ÖPNV) ein Arbeitsprogramm zunächst für 2011/12 beschlossen.
Die zentralen fünf Punkte sind: 1. Bürger für den ÖPNV neu begeistern und damit die Nutzung der Nahverkehrsmittel stabilisieren und verbessern; 2. die wirtschaftliche Situation von ÖPNV und VVV sichern; 3. kostengünstige und qualitativ gute technische Lösungen umsetzen; 4. wirtschaftlich effektiven und kundenorientierten Verkehr planen und bezahlen; 5. Professionalität, Qualität und Effektivität der Arbeit im ÖPNV und VVV verbessern.
Der Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Vogtland (ÖPNV) beantragt zum 1. April die Mitgliedschaft in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs (BAG-SPNV) (Pressemeldung Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Vogtland, 04.02.11).

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von Fahrgastinitiative BB Veröffentlicht in Bahn Aktuell

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